Pastoren und Löwen

Heute hatten wir die offizielle Einführung als … – Tja wir sind immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Begriff.
Einige deutsche Gemeinden würden das Vikariat nennen, doch wir wollen von unseren Freunden aus den Brüdergemeinden nicht gesteinigt werden 🙂 Gemeindepraktikanten passt auch nicht so ganz, denn das sind hier die „Interns“. Wenn Kenianer uns fragen, sagen wir, dass wir Pastoren sind. Tatsächlich sind wir „Pastoral Trainees“. Also hatten wir die Einführung in unser Pastoren-Dasein. Wenn jemand einen guten deutschen Begriff dafür hat – wir sind ganz Ohr.

Wie dem auch sei, heute haben wir erfahren, dass wir Oscar direkt zugeordnet sind und im Bereich Mission, Vision und Gemeindegründung mitarbeiten werden. Das war keineswegs selbstverständlich, denn es gibt noch viel andere Bereiche und neben uns noch mehr Teilnehmer im Pastoral Traineeship . Aber wir haben gebetet, geredet und geschrieben, dass nicht nur einer von uns mit ihm zusammenarbeiten wird, und die Verantwortlichen haben darauf reagiert.

Morgen kommt für uns und die Pastoren gleich die erste Weiterbildung. Wie kann die Gemeinde in Bezug auf Jüngerschaft ein Level weitergebracht werden? Bei knapp 2.000 Mitgliedern kein leichtes Unterfangen.

Ab Donnerstag werden wir uns als PTs (Pastoral Trainees) gemeinsam mit den 25 neuen Interns (Gemeindepraktikanten) erst mal zum Beten und Fasten zurückziehen. Diguna (eine deutsche! Missionsgesellschaft) hat direkt am Nationalpark ihren Campus und dort werden wir drei knapp 3 Tage bleiben.
Wir hoffen, dass die Löwin, die seit Tagen das Gelände dort unsicher macht, nicht auch gerade fastet, sonst wirds gefährlich… Ihre Spuren haben wir bereits am Sonntag entdeckt, als uns eine schweizerische Missionarsfamilie eingeladen hatte. 10 Meter von ihrem Haus entfernt spazierte sie mit ihrem Jungen den Weg entlang.

Unser Gebetsleben wird also über die Tage sehr rege sein, nur wahrscheinlich anders als gedacht…

PS: Bilder von der Löwin folgen … vorausgesetzt, sie hatte schon gegessen …

50-40-30-20

Bei allem Einsatz wollen wir das Feiern doch nicht unter den Tisch (falls noch vorhanden und weder gestohlen oder verbrannt) fallen lassen. Und mein 30ster war ein guter Anlass dafür.

Beim Aufstehen habe ich mich ehrlich gesagt weder wie Feiern noch wie 30 gefühlt, sondern wie mindesten 50. Die ersten Arbeitstage hingen mir doch etwas in den Knochen. Beim Mitarbeitertreffen ging mein Befinden dann immerhin auf 40 runter – ich war nur noch etwas geschafft. Und nach dem Treffen, als mir ca. 30 Afrikaner ein Geburtstagslied gesungen und Pastor Bea einen dicken Schmatz auf die Backe gedrückt hat war ich bei der 30 angekommen. Das hielt nur so lange an, bis wir erfuhren, dass wir frei haben. – Dann fiel auf einem Mal alle Müdigkeit von mir ab, ich fühlte mich wie 20 und wollte nur noch quer durch die Stadt in ein Shoppingcenter. Schließlich gehört zum Geburtstag ein Geburtstagsgeschenk! Und auch ein Kuchen.

FotoDas hat sich auch Beth (eine Missionarin, die z.Z. in der Chapel mitarbeitet) gedacht und mich spontan zu Geburtstagskuchen essen eingeladen. Mit Shoppen war dann nicht mehr viel, Für eine Basttasche, die wir von 12 auf 7 € runtergehandelt haben, hats gereicht. Der traditionell von Daniel gebackene russische Zupfkuchen blieb aus in Ermangelung an Quark und Zeit. Dafür gabs Schwarzwälderkirschtorte, dem Namen nach zumindest. Unterm Sonnenschirm in einem Cafe versuchte ich dann die Kerze auf meinem Stück Torte auszupusten, der Wind war jedoch schneller.

Gefühlsmanagement

„Ich hasse Luos.“ sagte ein Mann, der Zuflucht auf dem Gelände einer Gemeinde gefunden hatte. Was er jedoch nicht wusste, der junge Mann, der ihm half mit den traumatischen Erfahrungen der vergangenen Tage fertig zu werden, war ein Luo.

Der Schmerz sitzt tief. Und es liegt viel Arbeit vor uns. Während die Rundum-Versorgung von 300 Flüchtlingen auf einem Gemeindegelände im vollen Gang ist, kann ich endlich das tun, was mir auf dem Herzen liegt: Seelsorge an traumatisierten Menschen. Der Ort scheint friedlich zu sein. Kinder spielen miteinander im Schatten der Bäume und Frauen waschen ihre wenigen Kleidungsstücke, die sie noch besitzen und reden miteinander.
Doch dann beginnen wir in organisierten Gruppen mit Kindern, Frauen und Männern zu reden. Die Spielregeln sind einfach:
Was fühlst du?
Was denkst du?
Was machst du?
Die Antworten auf die Fragen offenbaren Wut, Schmerz und Enttäuschung. Kinder erzählen, wie sie ihr Haus haben abbrennen sehen und verstehen nicht, warum sie nicht mehr zurück können oder ihre Eltern nicht zurück wollen. Manche von ihnen wollen gar nicht reden, sie sind schüchtern. Vielleicht liegt es auch an der weißen Frau, die zwar nichts versteht, was sie in Swahili erzählen, dafür aber um die Atmosphäre in der Gruppe sehr bemüht ist. Die, während sie erzählen, betet, dass keine bleibenden Verletzungen in ihren Herzen Spuren hinterlassen. Und in ihrer Generation die kenianischen Volksstämme das Kriegsbeil endlich begraben haben.

Klamottensuche
Auf der Suche nach neuen Klamotten.

Waesche waschen
Waeschetrockner.

Ein Land kehrt um

Ein anderer Teil des nationalen Gebetstages war das Treffen von Pastoren und Leitern aller Denominationen aus ganz Kenia. Erzbischhöfen der anglikanischen Kirche nahmen genau so teil wie Baptistenpastoren, Oppositionsführer Raila Odinga oder zwei deutsche, die Ohren und Augen weit offen hielten.
Die geistlichen Führer wollen Frieden im Land, aber nicht nur das. Sie sind über ihre eigenen Fehler erschüttert und gaben zu, Schuld auf sich geladen zu haben.
So haben diejenigen, die mit der Regierung in Verbindung stehen vor allen Anwesenden bekannt, versagt zu haben, in dem sie nicht das redeten, was richtig gewesen wäre, sonder das, was die Politiker hören wollten.
Und auch hier baten Kikujus und Luos gegenseitig um Vergebung. (Die beiden Ethnien sind die Hauptbetroffenen der politischen Auseinandersetzungen). Sie lagen voreinander und vor Gott auf Knien – nicht als symbolischer Akt, der eine positive Außenwirkung darstellt, sondern aus tiefsten Herzen. Uns hat es sehr bewegt, Pastoren und Bischhöfen weinen zu sehen und Gott nicht nur um Vergebung zu bitten, sondern darum zu flehen. Das hat nicht so sehr mit afrikanischer Kultur zu tun, hier haben wir Zerbrochenheit und Schulderkenntnis erlebt – und hat uns tief getroffen.

Sehr nachdenklich und bewegt fuhren wir nach Hause. Und dann war es Zeit, den Fernseher ein zu schalten, denn es dort gleich weiter. Von 18.00 – 19.00 Uhr lief auf ALLEN Kanälen gleichzeitig „Peace & Prayer“ – eine Sendung, die von den geistlichen Leitern Kenias initiiert und gestaltet wurde. Bibeltexte wurden gelesen, zu Gebet auf gefordert und christliche Lieder gesungen.
Es scheint, das Kenia vor einem geistlichen Aufbruch steht. – Dabei gibt es hier schon 10 % ernsthafte Christen.

Wieder einmal haben wir viel Stoff zum Nachdenken, Reflektieren und Reden. Die Frage, was wir von Kenianern lernen können, wo hier doch alles ganz anders ist, erübrigt spätestens nach diesem Tag.

Fahne auf Halbmast

FotoWas macht ein Land, das unter dem Schock der letzen Tage steht, viel Gewalt und Blutvergießen gesehen hat und nicht weiß, wie es weiter geht?
Es betet.

Längst haben die führenden Christen erkannt, dass ihr Land nicht nur in einer politischen Krise steckt, sondern die Auseinandersetzungen auch eine geistliche Dimension haben. Also muss auch auf dieser Ebene gehandelt werden.
Aus diesem Grund riefen die geistlichen Leiter des Landen zu einem nationalen Gebets- und Fastentag auf. In jeder Gemeinde und jeder Kirche kamen gestern Menschen zusammen, um für ihr Land und die Bewohner vor Gott ein zustehen. So auch die Nairobi Chapel. Obwohl der Gottesdienst schon voll im Gang war, kamen immer noch Leute dazu, und die Sitzplätze reichten nicht.
Während noch mehr Stühle gestellt wurden, sangen und beteten wir, lagen Gott knieend in den Ohren, damit er Gnade schenkt und dem Schrecken ein Ende bereitet. Wir beteten für die vielen, die ihre Heimat verlassen mussten, für Menschen, die Angehörige verloren haben, für innere und äußere Heilung der vielen Verletzungen, die mit dem Ausbruch der Tumulten geschehen sind.

Sind wir hier richtig?
Nein, wir bereuen nicht, das wir gerade jetzt hier sind, es ist genau der richtige Zeitpunkt, um die Stärke und Größe der Leiter zu erleben. Wir sind unglaublich fasziniert, wie sie ihre „Schafe“ durch diese schwere Zeiten führen, und wie sie die Situation beurteilen. Dass Oscar seine Handynummer im Gottesdienst (mit 1500 Besuchern) öffentlich bekannt gibt, um uns gegenseitig über die Lage informieren können, ist nur eine Sache. Als Kikuju bat er um Vergebung für seine Volksgruppe. Er predigte sehr ernst und eindringlich. Anders als die Prominenten im Fernsehen, sagte er nicht, Kenianer seien ein friedliches Volk, sondern er forderte sie zur Umkehr auf, denn die Stammesrivalitäten fangen im Herzen an und nicht auf der Straße. Und auch nicht bei den anderen, sondern bei jedem einzelnen. Das ist für viele Kenianer ein Tabuthema, denn (wie auch oft in Deutschland) sind immer die anderen oder die Politiker Schuld.

Friedensverhandlungen zu Hause

Die Sicherheitslage im Land ist weiter angespannt. 150 m vor dem Tor (wie gut, dass es eines gibt) unserer Wohnsiedlung sahen wir gemeinsam mit unseren Nachbarn eine Ansammlungen von Menschen, die mit ihren Macheten nicht sehr freundlich aussahen.

Da wir keinen Selbstverteidigungskurs belegt haben und wir auch im Umgang mit Macheten ungeübt sind, zogen wir uns lieber in unser Haus zurück und verfolgten das Geschehen im Fernsehen weiter, während das halbe Wohnviertel weiter die Straße säumte.

Die Hauptstraße (Ngong-Road) vor unserer Wohnsiedlung führt direkt in die City Nairobis, und beides war für friedliebende Menschen ab heute Mittag nicht sicher. Menschenmassen machten sich auf den Weg zur Großkundgebung des Oppositionsführers Odinga, doch diese wurde dann auf Dienstag verschoben.

Während wieder eine Kirche in den Slums von Nairobi in Flammen steht, überlege und bete ich, wie ich diese Situation mit meinen bescheidenen Mitteln positiv beeinflussen könnte. Aus dem Haus zu gehen ist ab Mittag zu unsicher, mit unseren „Hamsterkäufen“ hatten am Vormittag nur teilweise Erfolg. Weder Käse noch Fleisch gibt es, dafür erstehe ich gemeinsam mit Jane im benachbarten Slum Tomaten, Eier und Kartoffeln. – Verhungern werden wir also nicht.

Am Abend verfolgen wir ein Interview mit einem Vertreter der Oppositionspartei (ODM). Jane ist am Schimpfen. „Er lügt!“ und andere Schimpfsalven lassen wir über uns ergehen. Dabei finden wir seine Äußerung gut, und er ist sichtlich um Frieden bemüht. Als wir Jane fragen, warum sie ihn so beschimpft, hat sie die einfache Erklärung: „Weil er zu ODM gehört.“
Ihr Weltbild ist einfach: alles wird in gut oder schlecht eingeteilt: Kibaki (PNU)= gut, Odinga (ODM) = schlecht. Woher soll sie auch differenzierter denken? Als 3.Tochter von 5, mit 13 die Schule aus Geldmangel abgebrochen und seit dem als Haushaltshilfe tätig, hat sie natürlich nur einen Hinterhof-Küche-Markt-Horizont. Darum erkläre ich ihr, dass die Unruhestifter genau so wie sie denken, und deswegen kämpfen. Um aber Frieden herzustellen muss man dem anderen zuhören und darf ihn nicht automatisch verurteilen, weil er der „falschen“ Partei angehört.
Plötzlich hält sie inne. Sie versteht – man kann nicht Menschen einfach so verurteilen, und schon gar nicht, wenn man Frieden will.
Und dann sagt sie zu mir: „Jetzt habe ich dich verstanden. Vielen Dank. Das hat mich getroffen. Gott segne dich. Du solltest das unbedingt deinem Pastor sagen und auch den Parteileitern. Das ist wichtig und sollen alle wissen.“ – Und ich schaue etwas verdutzt drein.

Ich glaube, sie hat wirklich verstanden, worum es ging und in ihrem Herzen hat sich etwas verändert. Wenn sie morgen ihre Freundin trifft oder mit anderen Menschen darüber spricht, dann wird sie anders reden als heute.

Was habe ich noch mal heute Morgen gebetet….?

Wer die Wahl hat…

hat die Qual, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sei es auf der Straße, in Wahllokalen oder bei der Bekanntgabe von Wahlergebnissen.
Vielleicht hat sich der eine oder andere Blogleser über das Ausbleiben von Artikeln auf unserem Blog gewundert. Nein wir sind nicht faul geworden. Wir sind nur nicht lebensmüde.

Wahlkampf auf afrikanisch
Um schon mal Frage 2 von unserem Rätsel zu beantworten: Am 27.12. fanden in ganz Kenia Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. Und diese Tatsache versetzt schon seit Wochen das Land und seine Bürger in Aufregung. Kaum ein Gespräch drehte sich nicht um die Kandidaten, jeden Tag schien es, als kämpften die Parteien noch härter um jede einzelne Stimme. Es war kaum noch zum Aushalten, zumindest für uns „gesetzte und vernünftige“ Deutsche. Wir hatten und haben keine Chance uns dem zu entziehen. Selbst wenn wir die Straßen mit den Lautsprecher-Autos mieden, zu Hause wurden wir mit Sprechgesängen von Jane „verwöhnt“, die unserem jetzigen Präsidenten Kibaki die Füße küssen würde, wenn sie die Chance gehabt hätte.

Stimmung und Stimmzettel
Der große Tag, also der 27.12. kam, Jane und John verließen bereits gegen 6.00 Uhr das Haus um sich in die endlose Reihe der Wähler einzureihen und gegen 10.00 Uhr ihren Stimmzettel in die Wahlurne zu werfen, um dann schnellstmöglich wieder nach Hause zu kommen und den Rest des Tages vor dem Fernseher zu verbringen. Gegen 18.00 Uhr wurde Jane dann von einem Wahlfieber erfasst, gegen das bisher noch kein Gegenmittel gefunden wurde.
Die ersten 5000 Stimmen waren ausgezählt und wurden bekannt gegeben – und Kibaki lag eindeutig vorn. Sie war kaum zu halten, jedes Zwischenergebnis wurde sorgfältig notiert, nicht ohne den Gegenkandidat mit Triumphrufen zu schmähen. Daniels Versuch, sie mit Worten wie „Warte erst noch ab, es kann sich alles ändern.“ zu beschwichtigen, ignorierte sie und konnte sich gegen 24.00 Uhr nur schwer vom Fernseher trennen.

Tag 1 nach der Wahl
Der nächste Tag kam, die Stimmenverhältnisse veränderten sich zu Gunsten des „Feindes“ – und es herrschte Stille im Haus. Die deutschen Mitbewohner atmeten auf, die afrikanischen tief ein. Bauchschmerzen machten sich bei Jane breit, wenn sie auch nur eine Minute die Auszählung der Stimmen im TV verfolgte. – Also besser das Gerät auslassen.

Tag 2 nach der Wahl
Jane lebt mit jeder Stimme, die ihr Favorit bekommt, wieder auf, wobei das Stimmenverhältnis der beiden Topkandidaten denkbar knapp ist. Daniel hat sich bereits mit dem Wahlvirus infiziert, was zur Folge hat, dass Nancy sich von beiden fiebrigen Mitbewohnern fern hält, um nicht auch noch angesteckt zu werden.
Bis spät in den Abend schauen fast (!) alle Bewohner unseres Hauses gebannt auf den Bildschirm. Zu essen gibt es nur noch, was im Haus ist, da sämtliche Märkte wegen Ausschreitungen geschlossen haben – auch die Internetcafes. Von weitem hören wir auf der Straße Tumult, im TV sehen wir, dass es 400m von unserer Haustür zu Tumulten kam und gebrannt hat. Gegen 21.00 Uhr bekommen wir eine SMS von Oscar: der Gottesdienst fällt wegen den Unruhen aus. Schade, aber besser als an- oder erschossen zu werden, ein Schicksal, was 4 Kenianer bereits ereilt hat. So schnell wollen wir doch nicht in den Himmel.

Tag 3 nach der Wahl
Als ich aufstehe, läuft bereits der Fernseher. Ich freue mich auf einen ruhigen Vormittag mit meinem Mann allein, denn für Jane ist der Gottesdienstbesuch ein Muss. – Außer heute. Bereits in Schale geworfen kann sie sich einfach nicht von dem Fernseher trennen und entscheidet sich, zu Hause zu bleiben, um ihren Kibaki beizustehen. Ich bleibe gegen den Wahlvirus immun und kann eine Teilimmunisierung bei Daniel erreichen, in dem ich ihm zum Sonntagvormittag im Garten die Haare schneide. – Damit er beim Fernsehen nicht mehr durch seinen Pony gucken muss.
Immer noch stehen die endgültigen Resultate aus, doch Kibakis Gegenkandidat wettert in einer Pressekonferenz gegen alles und jeden. So ist das hier.
Während ich mir von Deutschland importiertes Kaltschalenpulver in eine Schüssel mit Wasser einrühre (viel mehr hatten wir nicht im Haus), sinniere ich über unseren letzten Afrikaaufenthalt 2002 nach. Da mussten wir wegen politischer Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen die Elfenbeinküste verlassen….

Weihnachten bei Santacklaus

FotoFotoNein, das ist diesmal kein Rechtschreibefehler, Santacklaus sollte in unserer Nachbarschaft wohnen da unsere Wohnsiedlung Santack heißt. Allerdings haben wir ihn noch nicht persönlich getroffen.

Der großen Nachfrage entsprechend wollen wir euch nun an unserer ersten kenianischen Weihnacht teilhaben lassen.

Was es bei uns alles NICHT gab

  • Gänsebraten (haben wir sowieso noch nie gemocht)
  • pünktlich zum Festtagsschmaus am 24. 12. 19.00 Uhr elektrischen Strom (brauchten wir auch nicht, wir hatten Kerzen an)
  • Weihnachtsservietten (wäre schön gewesen, haben wir aber überlebt)
  • einen Weihnachtsbaum (hatten wir aus Platzgründen noch nie)
  • Verwandtschaftsbesuch (wäre zu viel Arbeit gewesen)
  • Stress (hatten wir die letzen Jahre genug)
  • in Geschenkpapier eingewickelte Geschenke (war uns zu teuer)
  • ein Abendessen am 25.12. (weil wir noch das Mittagessen zu verdauen hatten)
  • Was es gab

  • indisches Hühnercurry mit indischem Fladenbrot, Joghurt-Dipp und exotischem Obstsalat, dazu Wein aus schoenen neuen Gläsen (sehr lecker), Weihnachtsessen
  • Oscar Muriu in den 21.00 Uhr Nachrichten (hat er richtig gut gemacht)
  • schöne Geschenke:
  • – Lautsprecher für den Computer zum Musik hören
    – eine aus Maisstroh gebastelte Weihnachtskrippe
    – dem Wunschzettel gemäß schöne Weingläser und Wein,
    – dazu Nutella, Pizzariabesuche und Safaris

  • Knoblauchgeruch aus unseren Mündern am 25.12. als wir 3 Stunden im Garten einer Pizzaria zugebracht haben (danach konnten wir uns nicht mehr riechen)Daniel beim Italiener Nancy ist auch dabei.
  • Ruhe und Entspannung
  • „Das Fest“ von John Grisham als Hörbuch (sehr zu empfehlen, vor allem für alle Weihnachtsmuffel)
  • eine unerwartete Mitfahrgelegenheit durch einen netten Nachbarn, als wir am 26.12. unsere deutschen Freunde besuchen wollten und kein Bus kam
  • einen Anruf aus Deutschland von Freunden am 24.12. abends
  • deutsche Weihnachtsmusik
  • Was wir vermisst haben

  • Die Gospel-Night in Dresden am 24.12. um 23.00 Uhr, zu der wir schon letztes Jahr hin wollten (wir hatten unsere „Gospelmusik“ jedoch schon am 23.12. im Gottesdienst)
  • Schnee – aber nur auf Nachfrage
  • sonst nichts
  • Ihr seht also, man kann zu Weihnachten in Kenia gut (über)leben. Ist alles gar nicht schlimm – zumindest so lang man Post und Geschenke aus Deutschland bekommt.

    Vielen Dank an alle, die an uns gedacht haben, sei es durch Mail, Anrufe oder Wunschzettel-Erfüller.

    Feiertagsrätsel

    FotoLiebe Blogleser,

    falls ihr euch vom Geschenke ein- und auspacken erholen, die überschüssigen Kalorien aus den Festtagsmahlzeiten abbauen oder einfach mal eure Ruhe vor der Familie haben wollt und einen guten Vorwand sucht: hier kommt unser ulitmatives Festtagsrätsel. Die gesuchten Antworten entstammen alle unserem kenianischen Umfeld und gibt es wirklich.

    Und so geht es:
    Gebt einfach auf die gestellten Fragen einen Tipp per Kommentar auf unserem Blog ab. Die originellsten Antworten werden gekürt. Und ab 2. Januar 2008 werden wir euch die Lösungen präsentieren.
    Natürlich könnt ihr auch auf einzelne Fragen antworten.

  • 1. Was ist ein roadrunner (Straßenrenner)?
  • 2. Warum sollten wir am 27.12. das Haus nicht verlassen?
  • 3. Warum nuckelt Daniel jeden Samstag an unserem Gartenschlauch?
  • 4. Was machen die Kenianer am Sonntag nach dem Gottesdienstbesuch am liebsten?
  • 5. Was ist in Kenia ein Broiler?
  • 6. Warum riecht es jeden Montagabend bei uns nach Popcorn?
  • 7. Wie kommt es, dass die Kenianer trotz Straßenschlamm immer saubere Schuhe haben?
  • Noch ein Tipp:
    Falls sich die Gespräche in vertrauter Familienrunde wieder mal so dahin schleppen und euch langweilen, könnte dieses Rätsel die Familienrunde erheitern und dem Weihnachtsfest eine neue Dimension verleihen. Und gleichzeitig denkt ihr an uns!!!

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Rätseln und natürlich ein wunderschönes Weihnachtsfest ohne überflüssige Geschenken und Kalorien.
    Seid lieb miteinander und esst nicht die ganze Schokolade auf einmal.

    Eure Flechsigs

    Ein gesegnetes Haus

    Was ist das Schönste, was einer Hausangestellten passieren kann, die Christin ist?
    > Wenn sie für einen Pastor arbeitet.

    Und was ist der „Himmel auf Erden“ für eine Hausangestellte, die Christin ist?
    > Wenn sie für zwei Pastoren arbeitet.

    So ist es Jane vorgestern ergangen, als wir uns beim Abendessen unterhalten haben. Bisher hat sie noch nicht ganz verstanden, was wir hier machen (wie auch, wenn wir fast den ganzen Tag zu Hause sind und „nichts“ machen). Doch vorgestern haben wir ihr noch mal ausführlich erklärt, wozu wir nach Kenia gekommen sind und was wir vorher gemacht haben. U. a. auch, dass wir eine theologische Schule absolviert haben und (so etwas wie) Pastoren sind. Ihre Augen begannen zu leuchten und sie fing an zu lachen und zu tanzen.
    „Wenn ich krank bin, dann rufe ich euch, und ihr betet für mich. Und dann geht es mit wieder besser. – Das ist sehr gut.“

    Anders als in Deutschland genießen Pastoren hier ein sehr hohes Ansehen. Für Jane ist es also eine große Freude und Ehre, für „Pastoren“ zu arbeiten, und sie sprach uns auch gleich mit „Pastor“ an. Damit wächst natürlich auch der Anspruch an unserer Lebensführung. – Ob wir dem gerecht werden?