Ein anderer Teil des nationalen Gebetstages war das Treffen von Pastoren und Leitern aller Denominationen aus ganz Kenia. Erzbischhöfen der anglikanischen Kirche nahmen genau so teil wie Baptistenpastoren, Oppositionsführer Raila Odinga oder zwei deutsche, die Ohren und Augen weit offen hielten.
Die geistlichen Führer wollen Frieden im Land, aber nicht nur das. Sie sind über ihre eigenen Fehler erschüttert und gaben zu, Schuld auf sich geladen zu haben.
So haben diejenigen, die mit der Regierung in Verbindung stehen vor allen Anwesenden bekannt, versagt zu haben, in dem sie nicht das redeten, was richtig gewesen wäre, sonder das, was die Politiker hören wollten.
Und auch hier baten Kikujus und Luos gegenseitig um Vergebung. (Die beiden Ethnien sind die Hauptbetroffenen der politischen Auseinandersetzungen). Sie lagen voreinander und vor Gott auf Knien – nicht als symbolischer Akt, der eine positive Außenwirkung darstellt, sondern aus tiefsten Herzen. Uns hat es sehr bewegt, Pastoren und Bischhöfen weinen zu sehen und Gott nicht nur um Vergebung zu bitten, sondern darum zu flehen. Das hat nicht so sehr mit afrikanischer Kultur zu tun, hier haben wir Zerbrochenheit und Schulderkenntnis erlebt – und hat uns tief getroffen.
Sehr nachdenklich und bewegt fuhren wir nach Hause. Und dann war es Zeit, den Fernseher ein zu schalten, denn es dort gleich weiter. Von 18.00 – 19.00 Uhr lief auf ALLEN Kanälen gleichzeitig „Peace & Prayer“ – eine Sendung, die von den geistlichen Leitern Kenias initiiert und gestaltet wurde. Bibeltexte wurden gelesen, zu Gebet auf gefordert und christliche Lieder gesungen.
Es scheint, das Kenia vor einem geistlichen Aufbruch steht. – Dabei gibt es hier schon 10 % ernsthafte Christen.
Wieder einmal haben wir viel Stoff zum Nachdenken, Reflektieren und Reden. Die Frage, was wir von Kenianern lernen können, wo hier doch alles ganz anders ist, erübrigt spätestens nach diesem Tag.

Ich freue mich, dass Gott Euch gerade jetzt in Nairobi hat. So kann ich über die üblichen Informationen hinaus erfahren, was in Kenia passiert – und das ist viel mehr, als säkularisierte Medien zu berichten wissen. Danke für Euren wichtigen Beitrag!
Darüber hinaus kann man ja nicht hoch genug einschätzen, wovon ihr (und wir mit Euch) Zeugen werden: Wie Christen mit Herausforderungen geistlich umgehen können – und sollen. Hoffentlich lesen viele Eure Zeilen und lassen sich davon nicht nur hinterfragen, sondern dazu motivieren, einen wahrhaftigen Lebensstil für Jesus durchzuziehen!
Ihr lieben Gemeindekorrespondenten in Kenia, ich bin mit Euch beeindruckt über das, was Du schreibst, Nancy. Die Leiter der Gemeinden und Kirchen schielen nicht danach, wie sie die Situation für die Gemeinden und die Verbreitung des Glaubens nutzen können, sondern sie fragen, wie sie als Gemeinden für die Gesellschaft nützlich sein können. Sie sind zutiefst mitbetroffen und wissen sich mitschuldig. Aber sie praktizieren Vergebung und Versöhnung und werden so zu Vorbildern und (An)-Leitern. Ich glaube, dass das auch die Kenianer beeinflussen wird. Bin gespannt, wie unser Herr auf die vielen Gebete antwortet. Danke, dass ihr uns auf dem Laufenden haltet. Liebe Grüße aus Leipzig.