Friedensverhandlungen zu Hause

Die Sicherheitslage im Land ist weiter angespannt. 150 m vor dem Tor (wie gut, dass es eines gibt) unserer Wohnsiedlung sahen wir gemeinsam mit unseren Nachbarn eine Ansammlungen von Menschen, die mit ihren Macheten nicht sehr freundlich aussahen.

Da wir keinen Selbstverteidigungskurs belegt haben und wir auch im Umgang mit Macheten ungeübt sind, zogen wir uns lieber in unser Haus zurück und verfolgten das Geschehen im Fernsehen weiter, während das halbe Wohnviertel weiter die Straße säumte.

Die Hauptstraße (Ngong-Road) vor unserer Wohnsiedlung führt direkt in die City Nairobis, und beides war für friedliebende Menschen ab heute Mittag nicht sicher. Menschenmassen machten sich auf den Weg zur Großkundgebung des Oppositionsführers Odinga, doch diese wurde dann auf Dienstag verschoben.

Während wieder eine Kirche in den Slums von Nairobi in Flammen steht, überlege und bete ich, wie ich diese Situation mit meinen bescheidenen Mitteln positiv beeinflussen könnte. Aus dem Haus zu gehen ist ab Mittag zu unsicher, mit unseren „Hamsterkäufen“ hatten am Vormittag nur teilweise Erfolg. Weder Käse noch Fleisch gibt es, dafür erstehe ich gemeinsam mit Jane im benachbarten Slum Tomaten, Eier und Kartoffeln. – Verhungern werden wir also nicht.

Am Abend verfolgen wir ein Interview mit einem Vertreter der Oppositionspartei (ODM). Jane ist am Schimpfen. „Er lügt!“ und andere Schimpfsalven lassen wir über uns ergehen. Dabei finden wir seine Äußerung gut, und er ist sichtlich um Frieden bemüht. Als wir Jane fragen, warum sie ihn so beschimpft, hat sie die einfache Erklärung: „Weil er zu ODM gehört.“
Ihr Weltbild ist einfach: alles wird in gut oder schlecht eingeteilt: Kibaki (PNU)= gut, Odinga (ODM) = schlecht. Woher soll sie auch differenzierter denken? Als 3.Tochter von 5, mit 13 die Schule aus Geldmangel abgebrochen und seit dem als Haushaltshilfe tätig, hat sie natürlich nur einen Hinterhof-Küche-Markt-Horizont. Darum erkläre ich ihr, dass die Unruhestifter genau so wie sie denken, und deswegen kämpfen. Um aber Frieden herzustellen muss man dem anderen zuhören und darf ihn nicht automatisch verurteilen, weil er der „falschen“ Partei angehört.
Plötzlich hält sie inne. Sie versteht – man kann nicht Menschen einfach so verurteilen, und schon gar nicht, wenn man Frieden will.
Und dann sagt sie zu mir: „Jetzt habe ich dich verstanden. Vielen Dank. Das hat mich getroffen. Gott segne dich. Du solltest das unbedingt deinem Pastor sagen und auch den Parteileitern. Das ist wichtig und sollen alle wissen.“ – Und ich schaue etwas verdutzt drein.

Ich glaube, sie hat wirklich verstanden, worum es ging und in ihrem Herzen hat sich etwas verändert. Wenn sie morgen ihre Freundin trifft oder mit anderen Menschen darüber spricht, dann wird sie anders reden als heute.

Was habe ich noch mal heute Morgen gebetet….?

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