hat die Qual, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sei es auf der Straße, in Wahllokalen oder bei der Bekanntgabe von Wahlergebnissen.
Vielleicht hat sich der eine oder andere Blogleser über das Ausbleiben von Artikeln auf unserem Blog gewundert. Nein wir sind nicht faul geworden. Wir sind nur nicht lebensmüde.
Wahlkampf auf afrikanisch
Um schon mal Frage 2 von unserem Rätsel zu beantworten: Am 27.12. fanden in ganz Kenia Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. Und diese Tatsache versetzt schon seit Wochen das Land und seine Bürger in Aufregung. Kaum ein Gespräch drehte sich nicht um die Kandidaten, jeden Tag schien es, als kämpften die Parteien noch härter um jede einzelne Stimme. Es war kaum noch zum Aushalten, zumindest für uns „gesetzte und vernünftige“ Deutsche. Wir hatten und haben keine Chance uns dem zu entziehen. Selbst wenn wir die Straßen mit den Lautsprecher-Autos mieden, zu Hause wurden wir mit Sprechgesängen von Jane „verwöhnt“, die unserem jetzigen Präsidenten Kibaki die Füße küssen würde, wenn sie die Chance gehabt hätte.
Stimmung und Stimmzettel
Der große Tag, also der 27.12. kam, Jane und John verließen bereits gegen 6.00 Uhr das Haus um sich in die endlose Reihe der Wähler einzureihen und gegen 10.00 Uhr ihren Stimmzettel in die Wahlurne zu werfen, um dann schnellstmöglich wieder nach Hause zu kommen und den Rest des Tages vor dem Fernseher zu verbringen. Gegen 18.00 Uhr wurde Jane dann von einem Wahlfieber erfasst, gegen das bisher noch kein Gegenmittel gefunden wurde.
Die ersten 5000 Stimmen waren ausgezählt und wurden bekannt gegeben – und Kibaki lag eindeutig vorn. Sie war kaum zu halten, jedes Zwischenergebnis wurde sorgfältig notiert, nicht ohne den Gegenkandidat mit Triumphrufen zu schmähen. Daniels Versuch, sie mit Worten wie „Warte erst noch ab, es kann sich alles ändern.“ zu beschwichtigen, ignorierte sie und konnte sich gegen 24.00 Uhr nur schwer vom Fernseher trennen.
Tag 1 nach der Wahl
Der nächste Tag kam, die Stimmenverhältnisse veränderten sich zu Gunsten des „Feindes“ – und es herrschte Stille im Haus. Die deutschen Mitbewohner atmeten auf, die afrikanischen tief ein. Bauchschmerzen machten sich bei Jane breit, wenn sie auch nur eine Minute die Auszählung der Stimmen im TV verfolgte. – Also besser das Gerät auslassen.
Tag 2 nach der Wahl
Jane lebt mit jeder Stimme, die ihr Favorit bekommt, wieder auf, wobei das Stimmenverhältnis der beiden Topkandidaten denkbar knapp ist. Daniel hat sich bereits mit dem Wahlvirus infiziert, was zur Folge hat, dass Nancy sich von beiden fiebrigen Mitbewohnern fern hält, um nicht auch noch angesteckt zu werden.
Bis spät in den Abend schauen fast (!) alle Bewohner unseres Hauses gebannt auf den Bildschirm. Zu essen gibt es nur noch, was im Haus ist, da sämtliche Märkte wegen Ausschreitungen geschlossen haben – auch die Internetcafes. Von weitem hören wir auf der Straße Tumult, im TV sehen wir, dass es 400m von unserer Haustür zu Tumulten kam und gebrannt hat. Gegen 21.00 Uhr bekommen wir eine SMS von Oscar: der Gottesdienst fällt wegen den Unruhen aus. Schade, aber besser als an- oder erschossen zu werden, ein Schicksal, was 4 Kenianer bereits ereilt hat. So schnell wollen wir doch nicht in den Himmel.
Tag 3 nach der Wahl
Als ich aufstehe, läuft bereits der Fernseher. Ich freue mich auf einen ruhigen Vormittag mit meinem Mann allein, denn für Jane ist der Gottesdienstbesuch ein Muss. – Außer heute. Bereits in Schale geworfen kann sie sich einfach nicht von dem Fernseher trennen und entscheidet sich, zu Hause zu bleiben, um ihren Kibaki beizustehen. Ich bleibe gegen den Wahlvirus immun und kann eine Teilimmunisierung bei Daniel erreichen, in dem ich ihm zum Sonntagvormittag im Garten die Haare schneide. – Damit er beim Fernsehen nicht mehr durch seinen Pony gucken muss.
Immer noch stehen die endgültigen Resultate aus, doch Kibakis Gegenkandidat wettert in einer Pressekonferenz gegen alles und jeden. So ist das hier.
Während ich mir von Deutschland importiertes Kaltschalenpulver in eine Schüssel mit Wasser einrühre (viel mehr hatten wir nicht im Haus), sinniere ich über unseren letzten Afrikaaufenthalt 2002 nach. Da mussten wir wegen politischer Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen die Elfenbeinküste verlassen….
