Was macht ein Land, das unter dem Schock der letzen Tage steht, viel Gewalt und Blutvergießen gesehen hat und nicht weiß, wie es weiter geht?
Es betet.
Längst haben die führenden Christen erkannt, dass ihr Land nicht nur in einer politischen Krise steckt, sondern die Auseinandersetzungen auch eine geistliche Dimension haben. Also muss auch auf dieser Ebene gehandelt werden.
Aus diesem Grund riefen die geistlichen Leiter des Landen zu einem nationalen Gebets- und Fastentag auf. In jeder Gemeinde und jeder Kirche kamen gestern Menschen zusammen, um für ihr Land und die Bewohner vor Gott ein zustehen. So auch die Nairobi Chapel. Obwohl der Gottesdienst schon voll im Gang war, kamen immer noch Leute dazu, und die Sitzplätze reichten nicht.
Während noch mehr Stühle gestellt wurden, sangen und beteten wir, lagen Gott knieend in den Ohren, damit er Gnade schenkt und dem Schrecken ein Ende bereitet. Wir beteten für die vielen, die ihre Heimat verlassen mussten, für Menschen, die Angehörige verloren haben, für innere und äußere Heilung der vielen Verletzungen, die mit dem Ausbruch der Tumulten geschehen sind.
Sind wir hier richtig?
Nein, wir bereuen nicht, das wir gerade jetzt hier sind, es ist genau der richtige Zeitpunkt, um die Stärke und Größe der Leiter zu erleben. Wir sind unglaublich fasziniert, wie sie ihre „Schafe“ durch diese schwere Zeiten führen, und wie sie die Situation beurteilen. Dass Oscar seine Handynummer im Gottesdienst (mit 1500 Besuchern) öffentlich bekannt gibt, um uns gegenseitig über die Lage informieren können, ist nur eine Sache. Als Kikuju bat er um Vergebung für seine Volksgruppe. Er predigte sehr ernst und eindringlich. Anders als die Prominenten im Fernsehen, sagte er nicht, Kenianer seien ein friedliches Volk, sondern er forderte sie zur Umkehr auf, denn die Stammesrivalitäten fangen im Herzen an und nicht auf der Straße. Und auch nicht bei den anderen, sondern bei jedem einzelnen. Das ist für viele Kenianer ein Tabuthema, denn (wie auch oft in Deutschland) sind immer die anderen oder die Politiker Schuld.
