Was man(n) alles richtig machen kann

– oder wie man Mitarbeiter motiviert

Ich sitze vor meinem Laptop und suche gerade vergebens nach Worten. Das passiert nicht so häufig. Aber im Augenblick bin ich sprachlos.
FotoVor mir steht ein wunderschöner, großer Blumenstrauß mit gelben Rosen. Dieses Prachtexemplar schmückt seit wenigen Minuten unser Heim.

Es klingelt am Tor, und vor uns steht ein kleines Mädchen, dass jedoch vor lauter Blumen gar nicht zu sehen ist. Ein Blick auf die Straße verrät uns, dass sie aus Oscars Auto gestiegen ist. Ich blicke durch das Tor und schaue durch das geöffnete Autofenster in Oscars lachendes Gesicht.
Ich bin so überrascht, dass ich weder alle seine Worte verstehe, noch die richtigen Worte finden kann. Doch so viel verstehe ich – die Blumen sind für uns.
Das Mädchen schlüpft aus dem Tor und in sein Auto hinein – und weg sind sie.
Ich schaue erst die Blumen und dann meinen Mann mit offenen Mund an. „Der ist für uns.“ sage ich, obwohl das Daniel schon längst begriffen hat.
Ich bin überwältigt. Wie kommt jemand, der so beschäftigt ist und Verantwortung für viele Mitarbeiter und Gemeindemitglieder hat dazu, uns auf diese Art einfach so eine Freude zu machen?

Doch dann erinnere ich mich. Was hat Oscar gestern gesagt? Beziehungen sind hier alles. Das ganze Leben funktioniert nur über Beziehungen. Darum sollte jeder, der hier lebt, sehr viel in Beziehungen investieren. Denn Beziehungen sind wichtiger als Geld und alles andere.
Verstehe. Ich habe seine Kaffeetasse randvoll gemacht – und nun bekomme ich einen dicken Blumenstrauß. Er ist mir wichtig – und ich bin ihm wichtig.

Und Daniel? Der überlegt sich gerade, wann er mir zuletzt Blumen geschenkt hat – und wie groß der Strauß war…

Was mir an dieser Situation auffällt:
Wir sind seit einem Monat hier und haben für unsere Verhältnisse nichts produktives gemacht. Und nach einem Monat „nichts tun“ bekommen wir einen dicken Blumenstrauß. – So ist Gott. Er freut sich einfach, dass wir da sind und zeigt es uns.
Und: so kennen wir das von unserer Heimat nicht. Blumensträuße gibt es, wenn überhaupt, erst beim Ausscheiden aus der Firma oder bei einer Beförderung. Erst, wenn man was geleistet, sich also eine Belohnung verdient hat. Schade eigentlich.

Einführung in „Was man alles falsch machen kann“ Teil 1

Pastor Oscar kam uns heute besuchen. – In unserem Haus herrschte große Aufregung und unterschiedliche Ansichten, wie man einen Pastor gebührend bewirtet.
Bei der Begrüßung geht es schon los. Oscar einfach Oscar zu nennen, wäre sehr unhöflich, da er der höher Gestellte ist. Aber das haben wir uns schon angewöhnt. Also sagen wir brav Pastor Oscar. Wie früher, als wir noch Onkel und Tante sagen mussten. Wir sind ja gut erzogen.

Foto Doch viel weiter kommen wir mit unserer guten deutschen Erziehung nicht. Denn eine Begrüßung mit bloßem Handschlag und nur einer Hand ehrt den Gast nicht. Und schon gar nicht, wenn er der Chef ist. Das haben wir aber erst nach der Begrüßung erfahren, als wir ein kleine Einführung in kenianische Gastfreundschaft erbaten.
Da sich Pastor Oscar auf eine Tasse Tee eingeladen hatte, haben wir natürlich welchen gekocht, doch meine gute deutsche Erziehung ließ mich noch einmal nachfragen, ob er auch welchen möchte. Wieder Fehlanzeige. Man fragt so was nicht, Tee wird immer unaufgefordert ausgegossen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dabei habe ich die Worte meiner Mutter noch im Ohr: „Mach die Tassen nicht so voll.“ – Habe ich gemacht. Bin ja gut erzogen. Was sagt Pastor Oscar dazu: „Meine Großmutter würde diese Tasse nicht anrühren, weil sie nicht randvoll ist. Für sie ist das ein Zeichen, dass sie nicht willkommen ist.“ Uups. Habe gleich noch mal nachgegossen. Randvoll.

Foto Wenigstens war der Teller mit den Weihnachtsplätzen randvoll, denn Essen muss auch immer viel mehr da sein, als man schaffen kann. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung. Nur darf man nicht davon essen, bis die Herrin des Hauses gebetet hat. Außer bei einem Glas Wasser wird immer gebetet. Aha. So ist das hier. Und die Herrin des Hauses ist es auch, die dem Besuch erlaubt, wieder zu gehen. Jawohl, erlaubt.
Wenn sie nein sagt, dann muss er da bleiben. Außerdem muss sie ihre Gäste immer wieder nötigen, da zu bleiben, so zeigt sie ihnen ihre Wertschätzung. Ich habe das dann gleich mal bei Oscar versucht, aber letztlich dann doch nachgegeben. – Er ist ja der Chef und hatte auch noch ein Treffen.
Was man in einer Stunde alles falsch machen kann…. ungeheuerlich…. dabei sind wir doch gut erzogen worden…. dachten wir zumindest.

Networking Teil 2

Kurze Vorbemerkung
In Ermangelung an arbeitstauglichen Schreibern wird dieser Beitrag erst heute veröffentlicht und nicht schon einige Tage vorher.
Nancys zweite, geplante Zahnbehandlung und Daniels verdorbener Magen mit Fieberschüben, Kopf- und Gliederschmerzen, wehleidiger Mine und Winselgeräuschen und auch Janes Bauch- und Rückenbeschwerden haben uns davon abgehalten, unserer journalistischen Tätigkeit nachzukommen.
Die gute Nachricht ist: wir leben noch.

Foto Foto Am ersten Advent hatten wir die Ehre, mit einem Australier, einer Armenierin, einigen Pastoren der Nairobi Chapel und deren Tochtergemeinden sowie einigen Ältesten auf der großzügigen Terrasse im Hause Muriu uns kennen zulernen.

FotoJohn Gray, ein australischer Pastor einer anglikanischen Kirche ist zu Besuch hier. Sein Anliegen ist – wie sollte es anders sein – Gemeindewachstum und -erneuerung. Auch er arbeitet daran, dass die Gottesdienste nicht an der Tradition sondern an den Menschen, die dort hin kommen orientiert sind. Das bedeutet zeitgemäße, exzellente Musik, ansprechende Predigten und mehr hauptberufliche Mitarbeiter.
Er erzählte, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hat (z.B. fehlen zwei Generationen an Mitarbeitern), wie die Kirchen in Australien organisiert sind und wie es zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kirchen gekommen ist.
Es war sehr spannend ihm zuzuhören, wenn auch sehr anstrengend war, alles zu verstehen.
FotoDass er nicht nur bei der Theorie bleibt, davon haben wir uns am Vormittag überzeugt. Wir haben selten eine so anschauliche mit Beispielen gespickte Predigt gehört. John predigte in einer der Tochtergemeinden – und es entschieden sich auch gleich 10 Leute, mit Jesus zu leben.
Worum es ging?
Was ist Weihnachten für Gott? Und was ist Weihnachten für dich? Spannende Fragen.

Wer sich selbst überzeugen möchte: Sein Arbeitsplatz ist die St. Pauls Church in Sydney.

Wieder in Ordnung

Lange haben wir uns diesen Moment herbei gesehnt. Endlich wieder mal was deutsches.
Dass der Samstag auch noch so richtig verregnet war, hat dazu gepasst. Nur nicht die Auswirkungen des Dauerregens auf die Beschaffenheit der Straßen und Wege. (Nairobi glich einem großen See mit Schlammufer.) Macht nix, das nahmen wir in Kauf. Für einen deutschen Weihnachtsmarkt.

FotoAn einem Tag im Jahr können die Deutschen in Nairobi über „ihren“ Weihnachtsmarkt bummeln und Bratwurst essen, Stollen und Plätzchen kaufen, deutsches Bier trinken…
Und dann kamen wir mit Hilfe einer schwäbischen Missionarsfamilie dort hin (das ist sicherer, als sich auf den Stadtplan zu verlassen) – und auf einem Mal war das schon wieder zu viel des Guten, bzw. des Deutschen. Zumindest für Daniel. Während ich mich wie ein hungriger Löwe auf die Adventskränze stürzte und zu einem schamlos übersteigerten Preis einen ergatterte, trottete mein Mann lustlos und wortkarg hinter mir her. Auf die Frage, was denn los sei, gestand er mir: „Das ist mir zu viel Deutsch auf einem Mal. Hier reden so viele Menschen deutsch.“

FotoTja, was soll man(n) da machen. Ich wollte ihn an einem kenianischen Stand mit Holzschnitzereien abstellen, aber die penetranten Verkaufsversuche der Kenianer waren meinem irritiertem Mann ebenfalls zu viel. FotoMit einer halben Bratwurst und einem Berliner gab er sich dann etwas zu frieden. FotoDer kleinen Aldi-Stollen für über 8 € und eine Packung Schoko-Domino-Steine für 4 € in unserer Tasche hoben die Stimmung nur leicht, dafür war unser Geldbeutel nahezu leer und die Füße nass.

Erst als wir wieder unser Haus betraten, den Herrenhuter Stern zum Leuchten brachten und unsere englisch-kikujusprachige Jane antrafen und selbstgemachtes, keninanisches Fladenbrot (Chapo) aßen war die Welt wieder in Ordnung.
zu Hause Chapo

Eine Stadt platzt aus den Nähten

Gestern haben wir uns in die City von Nairobi gewagt, in DIE Metropole Ostafrikas und Hauptstadt Kenias. Und wir sind zu der Erkenntnis gekommen, das wir nichts verpassen werden, wenn wir uns nur sehr sporadisch in dieses Getümmel stürzen werden.

So etwas wie eine Fußgängerzone gibt es nicht, stattdessen unglaublich viel Verkehr, sei es auf den Straßen oder auf den „Fußwegen„. Man hat den Eindruck, jeder der wichtig sein will, tummelt sich dort auf den Straßen. Männer mit Anzug und Krawatte, Frauen in Kostümen. – Und zwischendrin zwei etwas irritiert dreinguckende Weiße, die sich krampfhaft an den Händen auf der einen Seite und die Tasche auf der anderen fest halten. Zufluchtsort ist ein Supermarkt, den wir zielstrebig ansteuern, um aus dem Getümmel und der Sonne herauszukommen. Nach einer viertel Stunde Verschnaufpause, in der wir künstliche Tannenbäume ab 5 € sowie kitschigen Weihnachtsschmuck entdecken, wagen wir uns wieder hinaus auf die Straße – und hoffen auf den Gewöhnungseffekt.

Wir suchen die deutsche Botschaft. In zwei verschiedenen Stadtplänen ist sie jeweils an einem unterschiedlichen Ort eingezeichnet – und keiner von beiden stimmt. Die Suche bleibt erfolglos. Vielleicht sollten wir es mit einem dritten versuchen….
Auch die Suche nach einem im Reiseführer angepriesenen Souvenirladen erweist sich als Farce, denn da wo er sein sollte, tut sich das Loch einer Baugrube auf. Stattdessen weht uns der Geruch von totem Fleisch um die Nase. Meine erste Vermutung nach einem Tierkadaver bestätigt sich auf unerwartete Weise: neben uns befindet sich ein Fleischereigeschäft. – Karibu in Nairobi!

Damit wir dieses strapaziöse Abenteuer vor uns rechtfertigen können, ergattern wir noch zwei Kerzenständer. Die Adventszeit beginnt ja bald. Hätten wir fast vergessen.

(Fast) Wie im Himmel – Wasser!

Heute ist ein großer Tag. Es gibt Wasser – aus der Leitung. Sonst kommt es vom Himmel oder vom Wassermann. Vom Himmel ist es kostenlos, den Wassermann müssen wir bezahlen. Er liefert frei Haus in Kanistern oder per Truck Wasser an. Aber heute ist alles anders. Ja, es gibt einen Wasseranschluss im Haus – oder besser: im Garten- und wenn die Regierung gnädig ist, mal dran denkt oder andere Gründe vorliegen, dann schickt sie in unsere Wohnsiedlung Wasser durch die Leitungen. Das muss man sich so vorstellen:
Irgendwoher weiß John (unser Mitbewohner), dass es eventuell Wasser geben wird. Darum dreht er den Hahn auf. Weil aber nichts kommt, lässt er ihn aufgedreht. Und dann, irgendwann passiert das Wunder und man kann in 5 Minuten einen 10 l Eimer füllen. Das ist der Startschuss, um sämtliche Gefäße, die in diesem Haushalt zur Verfügung stehen hervorzukramen, damit sie während des Tages mit Wasser gefüllt werden können. Eimer, Kanister, Tonnen werden aufgereiht und nach und nach gefüllt, oder auch nicht, wenn der Wasserfluss versiegt.
Wasser!
Ja, Samstags ist Wasser-Tag. Nur vergangenen Samstag kam nichts, und die Woche vorher auch nicht…

(Fast) Wie im Himmel – Marmelade!

Zu allem Wasserüberfluss gab es heute auch noch frische Mango-Bananen-Marmelade. Nicht vom Himmel, auch nicht vom Wassermann sondern von Nancy.
Nach einer halbstündigen Safari mit Jane (allein getraue ich mich noch nicht) durch die benachbarten Slums konnten wir marmeladentaugliche Mangos auf dem Markt finden. Die Gerüche und Verkaufsstände dort sind zwar wenig appetitanregend, aber die Entschädigung kam wenig später, als wir in ein Stück Weißbrot mit noch warmer Mango-Bananen-Marmelade bissen.
„Grandios“, „Einmalig“, „Ausgezeichnet“ ,“Rekordverdächtig“ kam es aus den kauenden Mündern.
Und mit einem Mal war alles vergessen – der Gestank in den Slums, die Verbrennungen unter der Dusche, die Diskussionen mit den Matatu-Fahrern, die einem regelmäßig zu viel Geld abknöpfen wollen, dass bald Weihnachten ist und wir weder einen Tannenbaum noch Schnee haben werden….
Mit anderen Worten – der Geschmack war einfach himmlisch.

So was macht man nicht

Als Weiße (wasungu) ist man selbst in Nairobi etwas besonderes. Obwohl es in dieser ostafrikanischen Metropole relativ viele Weiße gibt, wird uns öfters nachgeschaut.
Weiß = reich, so lautet die simple Gleichung, und so wird man behandelt und so hat man sich bitte schön auch zu benehmen. D.h. ja nicht zu viel machen und schon gar keine schweren Dinge tragen. Auch nicht einen 10 l Wasserkanister. Was sollen denn die Nachbarn denken?!
So hat Jane Daniel allen ernstes angeboten, ihn von der Bushaltestelle abzuholen, um ihn den frisch gefüllten Wasserkanister abzunehmen und die ca. 70 m zu unserem Haus zu tragen. Sie war sehr verwundert, als wir ihr erklärten, für uns sei es normal, so etwas zu tragen. So etwas macht ein Wasungu nicht.
Schade, dass wir das jetzt erst erfahren, denn so hätten wir in Deutschland uns um das viele Kisten- und Möbelschleppen vor unserer Ausreise drücken können…

Sonntags in Nairobi Teil 2

Während wir nach dem Gottesdienst gemütlich zu Fuß nach Hause schlendern sind wir froh über die Nähe unseres Hauses zur Nairobi Chapel.
Nein, wir beneiden nicht die vielen hundert Autofahrer, die sich erst einen Platz auf dem Parkplatz und nach dem Gottesdienst in der Blechkolonne ergattern müssen.

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In Deutschland würde keiner freiwillig den Sonntagmittag im Auto auf der Straße im Stau verbringen. Das wäre ja noch schöner.
Deshalb verraten wir unseren Nachbarn lieber nicht, wo wir sonntags hingegen, und machen auch die Gottesdienste so, dass andere nicht hingehen wollen. Da ist man wenigstens pünktlich wieder zum Mittagessen zurück.

Währendessen wollen die afrikanischen Christen nicht nur Afrika, sondern die ganze Welt erreichen – das war der Inhalt der Predigt.
Dass das Straßennetz in Nairobi schon jetzt restlos überlastet ist, spielt dabei keine Rolle.

Wir Deutsche pflegen sonntags stattdessen unsere Kultur – auch in Kenia – und treffen uns mit anderen Deutschen und klagen gemeinsam über die mangelnde Sicherheit auf Nairobis Straßen. Da sind wir in unserem Element.
Ja, es ist auch schlimm, was man so hört. Handtaschendiebstähle aus dem Auto, Überfälle auf offener Straße, gerade in der Vorweihnachtszeit. – Am besten, man bleibt zu Hause. In Deutschland.

Hilfe, sind wir deutsch….

Liebe Blog-Leser!

Heute dürfen wir dir voller Stolz verkünden, dass wir ab sofort deinem Gedächtnis nicht mehr so viel abverlangen, wie in den letzten Tagen. Denn wir haben zu unser aller Freude ein Glossar eingerichtet, unter dem du alle Begriffe findest, die du zum Überleben in Nairobi brauchst und die mehr oder weniger häufig in unseren Artikeln erwähnt werden. Wenn du, geschätzter Leser, also nicht mehr in klarer Erinnerung haben solltest, wer z.B. Jane war oder du mehr zu Matatus oder Moskitos erfahren möchtest, dann gönne dir die Zeit und klicke auf besagte Begriffe – und tauche ab in die Welt der unglaublichen Dinge.
Viel Spaß!

P.S. Bei großer Nachfrage werden wir zu gegebener Zeit dies auch als Hörbuch veröffentlichen. Die Einnahmen werden den Duschopfern zu gute kommen.

Ach ja, und hier geht’s zum Glossar.
Der schlaue Fuchs hat es bereits im Menü rechts entdeckt.