Tag 17: Experimente und Gartenbewohner

Theoretisch war heute der letzte Schultag. Praktisch steht noch so einiges auf dem Hausaufgabenplan, zumindest beim Ältesten. Die entspannten Fächer haben wir uns für den Schluss aufgehoben – Kunst z.B. Denn das macht tatsächlich auch Spaß, und die anderen Jungs machen gern mit.

Was ich fast noch schöner finde – die Entschleunigung ist auch bei meinem Wirbelwind-Kind angekommen. Er sitzt von dem Fenster und beobachtet Vögel mit Fernglas und Kamera. Heute hatten wir Stare zu Besuch, aber da wir schon seit langem ganzjährig Vögel füttern, haben wir ständig viele gefiederte Gäste zu Besuch. Buntspechte, Meisen, Gartenbaumläufer …. ich habe schon einiges gelernt. Leider habe ich sie noch nicht so vor die Linse bekommen, dass ich sie hier zeigen könnte.

Und wir haben ein neues Experiment ausprobiert, was in unserer Pfadfindergruppe uns empfohlen wurde:

Wir füllten in ein mittelgroßes Glas abwechselnd Sand und Komposterde. Dieses Glas soll nun Regenwürmer beherbergen, die wir später suchten. Unsere Suche war ein kleines Abenteuer, denn wiedererwartend fanden wir im Komposthaufen nix. Dafür entdeckten wir zwischen Steinen eine Mini-WG: eine kleine Nacktschnecke hat es sich mit ein paar Asseln in einer Nussschale gemütlich gemacht. Noch toleriere ich Nacktschnecken, aber eigentlich sind sie in meinem Garten erklärte Feinde. Endlich finden wir dann auch einen Regenwurm, der natürlich ins Glas umziehen muss. Noch ein bisschen Futter – in dem Fall Apfelschäler – rein, ihm soll es ja gut gehen. Und dann kühl stellen.
Und jetzt ein paar Tage warten. Keine Ahnung, was uns da bald blüht. Auf jeden Fall ist der Wurm drin. 😉

 

 

 

Mindestens genauso gespannt bin ich, wann unserer heimlich zugezogener Dauergast seine ersten Lebenszeichen von sich gibt. In einer Erdkuhle unter einen unserer vielen Holzstapel hat sich ein Igel sein Winterquartier gesucht. Ich bin total happy, dass er sich bei uns wohl fühlt und bald wird die Zeit kommen, wo er die vielen Schnecken in meinem Garten fressen darf.

Unterm Laub versteckt schläft unser Igel.

Tag 16 Meilensteine

Manchmal gibt es mitten in der Routine kleine Highlights, die beim näheren Hinsehen richtige Meilensteine sind. Zumindest für uns als Familie, besonders für mich als Mutter. Heute war so ein Tag.

Meilenstein 1:
Unser Jüngster hat den ganzen Tag ohne Windel und ohne nasse Unterhose geschafft. Damit werden wir demnächst zum windelfreien Haushalt zurückkehren.
Wir sind bei dem Thema bei den großen sehr entspannt gewesen. Bei beiden hat uns der Sommer sehr geholfen. Eine Woche “unten ohne” im Garten – und das Thema war durch. Unser Kleiner wollte schon im Winter gern ohne Windel und auch ohne Strumpfhose und überhaupt ohne Hose sein. Leider ist unser Haus dafür zu kühl, darum habe ich ihn immer wieder vertröstet. Jetzt wollte er – abgeguckt von den großen Brüdern – Schlüpfer (kennt ihr das Wort noch? 😉 ) anziehen. Und bis zum abendlichen Waschen blieb seine Unterhose trocken und sauber. Ich konnte ihm die Freude und Stolz darüber deutlich ansehen.

Meilenstein 2:
Kennt ihr das: der eine sagt oder tut was – und du weißt genau, wie der andere reagieren wird? Diese absehbaren Interaktionsmuster unter Geschwistern… ein leidliches Thema. Auch für uns. Das kann echt nerven. Besonders wenn man den ganzen Tag zusammen ist.
Ich suche immer noch Wege, wie gerade meine beiden älteren Söhne diesen Kreislauf durchbrechen können. Heute haben wir es geschafft. Zumindest einmal. Der eine provoziert, der andere ist beleidigt und eingeschnappt…. ihr kennt das, oder?

Uns ist als Familie wichtig, dass, wenn wir einen anderen verletzen, uns auch entschuldigen. Naja, das geht nicht immer so ganz freiwillig. Und dann muss ja auch die Bitte um Entschuldigung angenommen werden. Auch nicht immer so leicht.

Ich wollte auf diese Weise einen Zwist zwischen beiden Jungs klären, spürte aber deutlich, dass sie in dem Moment nicht wollten. Ich überlies ihnen den Zeitpunkt – ich muss ja nicht dabei sein.
Zufällig kam ich dazu, wie der eine dem anderen die Hand reichte und sich entschuldigte. Das war ein echter Mama-ist-gerührt-Moment. Und ich erlebte auch im selben Augenblick bei beiden Kindern eine Veränderung in ihrer Einstellung zu einander. Davon wünsche ich mir noch viel mehr.

Meilenstein 3:
Ich hatte heute “Ausgang”. Mittwochs ist bei uns nachmittags Papa-Zeit. Das heißt, Daniel arbeitet nicht, dafür darf ich nachmittags arbeiten. Diesmal nutzt ich die Zeit für eine kurze Flucht von zu Hause. Das ist in diesen Zeiten für mich echter Luxus. (Ich habe unser Haus zuletzt am Samstagmorgen zum Einkaufen verlassen). Ich bin zu einer meiner Lieblingsplätze gefahren und fand es richtig toll, das dieser Ort so menschenleer war. Für 1,5 Stunden einfach nur mal Mensch sein….

Tag 12: Weniger Optionen, mehr Freiheit

Ich lebe sehr gern in Berlin. Ein Grund dafür sind die fast unendlichen Möglichkeiten, die diese Stadt bietet. Angefangen von Cafés, in denen man wunderbar frühstücken kann, über Spielplätze, die wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können, Restaurants – vietnamesisch, italienisch, griechisch – …. bis hin zu Museen, Parks und das unüberschaubare Angebot an Kultur. Jedes Wochenende könnte man irgendein anderes Event besuchen.

Diese Optionen fallen gerade alle weg. Und damit auch die Qual der Wahl. Zuhause bleiben oder etwas unternehmen? Und wenn ja was?

Oder ich würde sehr gern etwas unternehmen, aber es fehlt die Zeit. In dieser Situation finde ich mich häufiger wieder. Mit dem Folgegefühl, wieder mal was verpasst zu haben.

Das alles fällt gerade weg. Und damit auch die vielen Gedankenspiele und Erwägungen, die Energie brauchen. Stattdessen beschränken sich unsere Aktivitäten auf Haus und Garten. Es fühlt sich eigenartig frei an. Ich muss nicht jeden Tag neu entscheiden. Ich habe mich schon entschieden. Naja, oder die Regierung hat entschieden. 😉

Tag 11: Leben in der Blase

Ich lebe mit meiner Familie in einer “Blase”. Wir brauchten nicht lang für diese Entscheidung, uns war das recht bald klar, dass in Zeiten einer Pandemie Rückzug das einzige Vernünftige ist.
In unserer “Blase” ist es ziemlich gemütlich. Das hat viele Vorteile, denn es geht uns gut. Aber man kann in der “Blase” auch das Leben außerhalb vergessen. Teil unserer “Blase” ist eine Nachbarsfamilie, die auch ihre Außenkontakte auf das allernotwendigste reduziert hat, und unsere Kinder – zwischen fast 3 Jahren und 10  – kommen gut miteinander aus und haben zu anderen Kindern momentan keinen physischen Kontakt. Schon am Vormittag toben die Kinder durch unsere Gärten, sammeln Wanzen und leben in ihrer eigenen Fantasiewelt. Mittags wünschen sich die Nachbarskinder, dass sie bei uns Mittagessen dürfen. Ich freue mich über ihr Vertrauen zu uns, und bin echt happy, als ihr Vater mir sagt, dass ich ihm damit einen großen Gefallen tun würde. Er muss – wie die allermeisten – arbeiten. Ich freue mich, dass ich wenigstens so ein klein bisschen helfen und unterstützen kann, nicht nur mit Worten, sondern ganz praktisch.

Den Nachmittag verbringe ich mit den Kindern im Garten. Er ist nicht sonderlich groß, aber ich finde immer so viel, was zu tun ist. Gerade jetzt in der Garten-Hochsaison habe ich viele Ideen und Pläne, dass ich mich darin fast verlieren kann. Die Pflanzen brauchen Kompost und Düngung, aber auch Wasser, ich teile Stauden und verteile sie an verschiedenen Stellen. Mein Jüngster ist voll bei der Sache und hantiert mit herum. Ich habe keinen Bedarf, mich zu erkundigen, wie es um die Welt außerhalb meiner “Blase” steht.

Am Abend lese ich dann doch Nachrichten. Das erdet mich. Auch wenn es mir persönlich gut geht, heißt es nicht, dass alles gut ist. Meine Kinder müssen nicht mitbekommen, dass die Infektionszahlen hier in Berlin rapide steigen, auch nicht, dass in Italien allein in den letzten 24 Stunden 1000 Menschen an Corona gestorben sind. Ich selbst möchte jedoch mich davon nicht abgrenzen und einfach nur froh sein, dass diese schlimmen Dinge “so weit weg” sind. Ich bete. Für Regierungen, die unter enormen Druck stehen, viele und schwierige Entscheidungen treffen müssen, für Menschen, die in Krankenhäuser arbeiten und Betroffene. Ja, Not lehrt beten. Ich glaube aber tatsächlich, dass sich dadurch Situationen ändern. 

Tag 9: Der Feind in meinem Beet

Es ist jedes Jahr das selbe. Sobald die ersten grünen Spitzen sich aus der braunen Erde bohren, bin ich in Alarmbereitschaft. So auch jetzt. Ich bin gerade jeden Tag im Garten und beobachte sehr genau, was sich auf unserem Stück Natur so tut. Ich freue mich über das Wachstum der im letzten Herbst gesteckten Tulpen, bin überrascht, dass die laut Packung weiß-orangen Narzissen gelb-orange blühen, warte auf das Wachstum der schon vor zwei Jahren gesetzten Kaiserkrone vergeblich – und beobachte ihn – meinen Feind. Der Kampf hat begonnen, noch habe ich die Oberhand, aber in 2 Wochen kann das schon ganz anders aussehen. Sein Name ist Giersch. Er macht sich völlig ungeniert breit, zwischen Pfefferminze, Lilien, Bambus – überall. Ungefragt und ungewollt. Jedes Jahr reiße ich mit Leidenschaft seine Wurzeln – so weit ich an sie rankomme – aus, aber er hat einen Überlebensinstinkt, der beängstigend ist. Er wächst immer wieder und weiter. Ich kann nur regelmäßig ihn eindämmen, er wird aber nicht verschwinden.

 

Es ist so ein bisschen wie mit manchen Gedanken, die so tagsüber immer wieder kommen. Ich meine diese Art von Gedankens die einem selbst – und in der Folge dann auch seinen Mitmenschen nicht gut tun. So etwas wie
Du kannst das nicht! Man, bist du blöd. Wieso hast du das schon wieder vergessen. Du kriegst das nicht hin.
Gedanken, die ich über mich selbst habe, und die mir nicht gut tun, mich runter ziehen und meine Laune bzw. Befindlichkeit beeinträchtigen.
Sie tauchen einfach auf. Ungewollt. Und wenn ich sie heute rausgeschmissen habe – morgen sind sie wieder da. Was soll das eigentlich? Ich will so etwas doch gar nicht haben.

In diesen Tage ist es von besonderer Brisanz, wie ich über mich denke, denn das kann meine Stimmung beeinflussen. Und die Stimmung einer Mutter kann großen Einfluss auf das Familien-Klima haben.

Ich werde nicht verhindern können, dass negative Gedanken über mich selbst auftauchen. Aber ich kann entscheiden, ob ich sie wachsen lasse oder sie sich sogar vermehren dürfen. Nein, das will ich nicht.

Ich brauche nicht die Fehler-Perspektive sondern die Liebes-Perspektive. Meine Kinder übrigens auch. Ach und mein Mann auch. Zu wissen, dass ich geliebt bin, egal, wie ich drauf bin, was ich gerade (über mich) denke oder wie viel ich heute geschafft habe, ist ein Privileg. Diese “Pflanze” werde ich in den nächsten Tagen noch bewusst gießen und düngen.

Tag 7: Frei-Tag

Montag ist unser freier Tag, d.h. die Handys liegen meist unbeachtet in der Küche, und Daniel und ich genießen die Vormittagsstunden ohne Kinder. Eigentlich. Naja, heute nicht. Das Wegbringen der Kinder fiel aus – das fühlte sich mal richtig nach “frei” an, dass die großen dann Schularbeiten machen mussten, war für uns Eltern weniger Entspannung. Aber es ging gut und wir mussten unsere Schulkinder nicht sonderlich motivieren.
Wir lieben eigentlich die Montags-Ruhe und lesen gern. Das fiel heute aus. Stattdessen gab es Eltern-Kinder Zeit. Mal alle zusammen, mal ein Elternteil mit einem Kind. Der große hatte sich schon lange einen Pferdestall (ja ihr habt richtige gelesen) für seine Schleich-Pferde gewünscht. Der wurde fertig gebaut. 100% Upcycling, aus alten Küchenschränken. Damit hatte der 10 Jährige gleich noch Werkunterricht. 😉
Der Mittlere wollte Holz hacken mit Papa. Das finde ich immer gut. Wir haben noch so viel Holz, das gehackt werden muss – ich glaube, das wird bis zum Herbst dauern, bis alles kleingehackt und verstaut ist.
Der Jüngste wünschte sich einen Spaziergang mit mir und half mir bei der Gartenarbeit.

Ich bin froh, wie normal sich diese alltäglichen Handlungen anfühlen. Genau das brauchen wir jetzt – das wenig Unspektakuläre, Banale. Aufregung gibt es gerade genug überall.

Tag 6: Das neue Normal

Unsere Sonntag sind gewöhnlich vollgepackt – zumindest zwischen 10 und 14 Uhr. Wir sind eine Pastorenfamilie, wir haben oft einen gegensätzlichen Rhythmus zu den meisten anderen Menschen in unserem Umfeld. Während andere Sonntagmorgen gemütlich am Frühstückstisch sitzen, haben wir die Uhr stets im Blick, für ausgedehnte Gespräche am Esstisch bleibt keine Zeit. Stattdessen werfen wir uns die “Bälle” zu: Hast du an …. gedacht? Ist ….. eingepackt? Brauchst du noch Zeit für…?

Doch heute war – wie schon letzte Woche – alles anders.

Statt zum Gottesdienst zu gehen, Leute treffen, reden, neuen Leuten begegnen, vielen kleine Handgriffen tun, damit es läuft, sich Gäste wohlfühlen und auch die eigenen Kinder nicht zu kurz kommen, saßen wir alle fünf am Frühstückstisch und schauten uns das Kinderprogramm unserer Muttergemeinde in Kenia an. Die haben seit heute nämlich auch nur noch Online-Gottesdienste. Daniel und ich freuen uns über die bekannten Gesichter, unsere Kollegen, die wir sehen, übersetzten unseren Kindern das vorgeführte Puppenspiel und sind für ein paar Minuten einfach nur Konsumenten.

Dann muss Daniel doch aufbrechen, unseren eigenen Online-Gottesdienst in unserer Kapelle aufnehmen. Auch Online-Gottesdienste müssen gut geplant sein, diese Erfahrung haben wir schon Jahre vorher gemacht. Damals leitete Daniel das Gottesdienst-Produktions-Team in Mavuno Nairobi. Jeden Sonntag wurden diese Gottesdienste im Fernsehen übertragen. Dabei lernt man eine Menge, was über Medien funktioniert und was nicht.

Während Daniel in die Kapelle fährt bleibe ich mit den Kindern zu Hause. Alle drei spielen gemeinsam und friedlich, mit viel Gekicher und auch Action. Diese Momente genieße ich – auch wenn ich gar nicht wissen will, wie das Zimmer hinterher aussieht.

Später gehen wir in den Garten, es gibt Saltos auf dem Trampolin, während ich für unsere neue “Danke”Wand noch etwas bastle.

Obwohl wir die Sonntagvormittage in und mit unserer Gemeinde alle fünf lieben, fehlt uns heute nichts. Sogar dass Papa unterwegs ist, fällt keinen der Jungs so richtig auf.

Am Nachmittag gehen wir – vorerst zum letzten Mal zu unserem Eiscafé um die Ecke, kaufen für jeden ein Eis in der Waffel. Ab morgen hat es geschlossen.

Vor dem Abendessen weihen wir unsere “Dankes”Wand ein – eine mit weißem Papier beklebte Wand auf der wir alle in den nächsten Wochen schreiben und malen, wofür wir Gott dankbar sind. Wir wollen bewusst die vielen positiven Dinge und Momente wertschätzen. Negatives gibt es auch so genug.

Tag 5: Hoffnung säen

Wie froh ich bin, dass – bei aller Dramatik dieser Pandemie – sie uns jetzt im Frühling erwischt. Im nass kalten Winter wäre es für mich so viel deprimierender.
Wir sind täglich in unserem Garten und können damit sehr regelmäßig den Fortschritt des Frühlings beobachten. Mitten in diesem unfassbaren Weltgeschehen ist das Gärtnern für mich ein Akt der Hoffnung. Wer pflanzt und säht, hat eine Zukunftsperspektive. Der will sehen, wie und was wächst. Der freut sich auf morgen. Mit besonderer Sorgfalt fülle ich Blumenkästen und -töpfe mit Erde und streue vorsichtig Samen von Petersilie, Dill, Basilikum, Zinien und Zuckererbsen hinein. Letztere nutzen wir außerdem für ein “Langzeitexperiment”. Ich möchte mit den Kindern beobachten, wie die Erbsen keimen, Wurzeln entwickeln, Blätter aus der Saat schieben – sich Leben entwickelt. Darum packen wir die Erbsen in ein Glas mit Watte – dann kann man das life beobachten.

Noch sind die beiden jüngeren nicht sonderlich interessiert. Aber das wird noch, da bin ich mir sicher. Der große hilft mir mit. Das macht er immer gern – wenn er keine attraktiven Alternativen (wie Spielgefährten) hat. Der positive Nebeneffekt: Wir haben ein paar Minuten ungestörte Mutter-Sohn Zeit. Auch wenn wir den ganzen Tag zusammen sind, bleiben die ungestörten Zeiten zwischen mir und nur einem Kind eher selten. Umso bewusster nutze ich diese Momente. Das tut uns beiden gut und füllt unseren Beziehungstank.

Tag 4: Leben spenden

Schon seit längerem hatte ich mir das vorgenommen, heute habe ich es gewagt: Ich habe Blut bzw. Plasma gespendet. Ich stand schon im Februar in der Blutspendezentrale nicht weit von uns, da wurde ich wieder nach Hause geschickt. Mein Aufenthalt in Kenia wurde mir hier zum Verhängnis, ich solle noch 4 Wochen warten. Die sind jetzt um – passend in der Zeit, wo gerade viele Spenden zurück gehen.

Begrüßt wurde von einer jungen Frau mit Mundschutz und einem kontaktlosen Fieberthermometer. Vorsichtsmaßnahmen sind gut, doch ob es das wirklich bringt? Ich werde durchgelassen und von da an überaus freundlich behandelt. Die Ärztin bestätigt mir top Blutwerte, der Blutdruck ist wie im Lehrbuch, sie fragt mich 3x, ob ich wirklich spenden will – und dann geht es los.

Der Vorteil vom Plasmaspenden – so wird mir das sehr kundenfreundlich erklärt – ist, dass wieder ein Teil des Blutes in meinen Venen zurück geführt wird, dadurch wird mein Kreislauf nicht so sehr belastet.

Ich liege auf meinem Sitz, eine sehr freundliche Krankenschwester kommt mit einer sehr großen Nadel, pickst mir routiniert in den Arm, und ich spüre, wie etwas von mir geht – mein Sitz muss nach hinten gekippt werden. Ein Glück, dass ich fast liege, denn mir wird etwas schwindelig.

Überall hängen Fernseher und ich bekomme live – wenn auch ohne Ton – die Bekanntgabe der Ausgangssperre in Bayern mit. Ich denke an den dortigen Teil meine Familie, schreibe WhatsApps – und genieße die Ruhe. Bei mir dauert es etwas länger bis die 650 ml Blut zentrifugiert sind, ich denke an Daniel, der zu Hause etwas auf Kohlen sitzt. Pastoren haben in dieser bewegten Zeit definitiv keine Kurzarbeit, dafür Kurzschlaf. Ich möchte ihm nicht mehr Zeit “klauen”, wir waren uns jedoch einig, dass wir Blut spenden wollen, darum kann ich doch etwas entspannt sein. Da wo wir helfen können, wollen wir es tun.

Nach über einer Stunde darf ich wieder gehen und flitze zurück in meinen Alltag zwischen wachsenden Wäschebergen, Kinder, die Hunger haben und…