Tag 11: Leben in der Blase

Ich lebe mit meiner Familie in einer “Blase”. Wir brauchten nicht lang für diese Entscheidung, uns war das recht bald klar, dass in Zeiten einer Pandemie Rückzug das einzige Vernünftige ist.
In unserer “Blase” ist es ziemlich gemütlich. Das hat viele Vorteile, denn es geht uns gut. Aber man kann in der “Blase” auch das Leben außerhalb vergessen. Teil unserer “Blase” ist eine Nachbarsfamilie, die auch ihre Außenkontakte auf das allernotwendigste reduziert hat, und unsere Kinder – zwischen fast 3 Jahren und 10  – kommen gut miteinander aus und haben zu anderen Kindern momentan keinen physischen Kontakt. Schon am Vormittag toben die Kinder durch unsere Gärten, sammeln Wanzen und leben in ihrer eigenen Fantasiewelt. Mittags wünschen sich die Nachbarskinder, dass sie bei uns Mittagessen dürfen. Ich freue mich über ihr Vertrauen zu uns, und bin echt happy, als ihr Vater mir sagt, dass ich ihm damit einen großen Gefallen tun würde. Er muss – wie die allermeisten – arbeiten. Ich freue mich, dass ich wenigstens so ein klein bisschen helfen und unterstützen kann, nicht nur mit Worten, sondern ganz praktisch.

Den Nachmittag verbringe ich mit den Kindern im Garten. Er ist nicht sonderlich groß, aber ich finde immer so viel, was zu tun ist. Gerade jetzt in der Garten-Hochsaison habe ich viele Ideen und Pläne, dass ich mich darin fast verlieren kann. Die Pflanzen brauchen Kompost und Düngung, aber auch Wasser, ich teile Stauden und verteile sie an verschiedenen Stellen. Mein Jüngster ist voll bei der Sache und hantiert mit herum. Ich habe keinen Bedarf, mich zu erkundigen, wie es um die Welt außerhalb meiner “Blase” steht.

Am Abend lese ich dann doch Nachrichten. Das erdet mich. Auch wenn es mir persönlich gut geht, heißt es nicht, dass alles gut ist. Meine Kinder müssen nicht mitbekommen, dass die Infektionszahlen hier in Berlin rapide steigen, auch nicht, dass in Italien allein in den letzten 24 Stunden 1000 Menschen an Corona gestorben sind. Ich selbst möchte jedoch mich davon nicht abgrenzen und einfach nur froh sein, dass diese schlimmen Dinge “so weit weg” sind. Ich bete. Für Regierungen, die unter enormen Druck stehen, viele und schwierige Entscheidungen treffen müssen, für Menschen, die in Krankenhäuser arbeiten und Betroffene. Ja, Not lehrt beten. Ich glaube aber tatsächlich, dass sich dadurch Situationen ändern. 

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