Tag 9: Der Feind in meinem Beet

Es ist jedes Jahr das selbe. Sobald die ersten grünen Spitzen sich aus der braunen Erde bohren, bin ich in Alarmbereitschaft. So auch jetzt. Ich bin gerade jeden Tag im Garten und beobachte sehr genau, was sich auf unserem Stück Natur so tut. Ich freue mich über das Wachstum der im letzten Herbst gesteckten Tulpen, bin überrascht, dass die laut Packung weiß-orangen Narzissen gelb-orange blühen, warte auf das Wachstum der schon vor zwei Jahren gesetzten Kaiserkrone vergeblich – und beobachte ihn – meinen Feind. Der Kampf hat begonnen, noch habe ich die Oberhand, aber in 2 Wochen kann das schon ganz anders aussehen. Sein Name ist Giersch. Er macht sich völlig ungeniert breit, zwischen Pfefferminze, Lilien, Bambus – überall. Ungefragt und ungewollt. Jedes Jahr reiße ich mit Leidenschaft seine Wurzeln – so weit ich an sie rankomme – aus, aber er hat einen Überlebensinstinkt, der beängstigend ist. Er wächst immer wieder und weiter. Ich kann nur regelmäßig ihn eindämmen, er wird aber nicht verschwinden.

 

Es ist so ein bisschen wie mit manchen Gedanken, die so tagsüber immer wieder kommen. Ich meine diese Art von Gedankens die einem selbst – und in der Folge dann auch seinen Mitmenschen nicht gut tun. So etwas wie
Du kannst das nicht! Man, bist du blöd. Wieso hast du das schon wieder vergessen. Du kriegst das nicht hin.
Gedanken, die ich über mich selbst habe, und die mir nicht gut tun, mich runter ziehen und meine Laune bzw. Befindlichkeit beeinträchtigen.
Sie tauchen einfach auf. Ungewollt. Und wenn ich sie heute rausgeschmissen habe – morgen sind sie wieder da. Was soll das eigentlich? Ich will so etwas doch gar nicht haben.

In diesen Tage ist es von besonderer Brisanz, wie ich über mich denke, denn das kann meine Stimmung beeinflussen. Und die Stimmung einer Mutter kann großen Einfluss auf das Familien-Klima haben.

Ich werde nicht verhindern können, dass negative Gedanken über mich selbst auftauchen. Aber ich kann entscheiden, ob ich sie wachsen lasse oder sie sich sogar vermehren dürfen. Nein, das will ich nicht.

Ich brauche nicht die Fehler-Perspektive sondern die Liebes-Perspektive. Meine Kinder übrigens auch. Ach und mein Mann auch. Zu wissen, dass ich geliebt bin, egal, wie ich drauf bin, was ich gerade (über mich) denke oder wie viel ich heute geschafft habe, ist ein Privileg. Diese “Pflanze” werde ich in den nächsten Tagen noch bewusst gießen und düngen.

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