Unsere Sonntag sind gewöhnlich vollgepackt – zumindest zwischen 10 und 14 Uhr. Wir sind eine Pastorenfamilie, wir haben oft einen gegensätzlichen Rhythmus zu den meisten anderen Menschen in unserem Umfeld. Während andere Sonntagmorgen gemütlich am Frühstückstisch sitzen, haben wir die Uhr stets im Blick, für ausgedehnte Gespräche am Esstisch bleibt keine Zeit. Stattdessen werfen wir uns die „Bälle“ zu: Hast du an …. gedacht? Ist ….. eingepackt? Brauchst du noch Zeit für…?
Doch heute war – wie schon letzte Woche – alles anders.
Statt zum Gottesdienst zu gehen, Leute treffen, reden, neuen Leuten begegnen, vielen kleine Handgriffen tun, damit es läuft, sich Gäste wohlfühlen und auch die eigenen Kinder nicht zu kurz kommen, saßen wir alle fünf am Frühstückstisch und schauten uns das Kinderprogramm unserer Muttergemeinde in Kenia an. Die haben seit heute nämlich auch nur noch Online-Gottesdienste. Daniel und ich freuen uns über die bekannten Gesichter, unsere Kollegen, die wir sehen, übersetzten unseren Kindern das vorgeführte Puppenspiel und sind für ein paar Minuten einfach nur Konsumenten.
Dann muss Daniel doch aufbrechen, unseren eigenen Online-Gottesdienst in unserer Kapelle aufnehmen. Auch Online-Gottesdienste müssen gut geplant sein, diese Erfahrung haben wir schon Jahre vorher gemacht. Damals leitete Daniel das Gottesdienst-Produktions-Team in Mavuno Nairobi. Jeden Sonntag wurden diese Gottesdienste im Fernsehen übertragen. Dabei lernt man eine Menge, was über Medien funktioniert und was nicht.
Während Daniel in die Kapelle fährt bleibe ich mit den Kindern zu Hause. Alle drei spielen gemeinsam und friedlich, mit viel Gekicher und auch Action. Diese Momente genieße ich – auch wenn ich gar nicht wissen will, wie das Zimmer hinterher aussieht.
Später gehen wir in den Garten, es gibt Saltos auf dem Trampolin, während ich für unsere neue „Danke“Wand noch etwas bastle.
Obwohl wir die Sonntagvormittage in und mit unserer Gemeinde alle fünf lieben, fehlt uns heute nichts. Sogar dass Papa unterwegs ist, fällt keinen der Jungs so richtig auf.
Am Nachmittag gehen wir – vorerst zum letzten Mal zu unserem Eiscafé um die Ecke, kaufen für jeden ein Eis in der Waffel. Ab morgen hat es geschlossen.
Vor dem Abendessen weihen wir unsere „Dankes“Wand ein – eine mit weißem Papier beklebte Wand auf der wir alle in den nächsten Wochen schreiben und malen, wofür wir Gott dankbar sind. Wir wollen bewusst die vielen positiven Dinge und Momente wertschätzen. Negatives gibt es auch so genug.

