Wenn einem die Worte fehlen

FotoNach Mombasa, Nairobi, Naivascha und Nakuru sind wir nun in Eldoret angekommen, dem Brandherd der Gewalt und Unruhen.

Während die Sonne auf unserer über vierstündigen Hinfahrt glutrot hinter den Bergen verschwand wurden wir Zeugen der Verwüstung. Wir betraten die Fundamente abgebrannter Häuser, sahen niedergebrannte Autowracks – in mitten eines wunderschönen Sonnenuntergangs. Größer könnten die Gegensätze kaum sein. Uns fehlten die Worte, es hat nur zu einem traurigen Kopfschütteln gereicht.

FotoEinige Minuten später war es finster und wir konnten die Landschaft nur erahnen – bis wir am Horizont Feuer entdeckten. Und dann tauchten immer mehr „Feuerstellen“ auf. Bei mir dauerte es eine Weile, ehe ich verstand was ich sah: der Krieg ist hier noch nicht vorbei. Hier werden immer noch Häuser von Kikujus abgebrannt. Hier wird immer noch Eigentum vernichtet, werden Menschen heimatlos gemacht und um ihre Existenz gebracht. Ein Kälteschauer lief mir über den Rücken und meine Augen wurden feucht. Und wieder fehlten mir die Worte.

FotoCa. 18 Stunden später schütelle ich nach dem Msafara-Gottesdienst einem Mann die Hand, der mir mit folgenden Worten vorgestellt wird: „Das ist Pastor M. Seine Frau und sein fünfjähriges Kind sind in einer Kirche zu Asche verbrannt.“ Ich sehe ihn an und würde ihm gern etwas sagen – aber ich weiß nicht was. Zu unvermittelt trafen mich die Worte.

Eine Stunde später betrat ich den Ort, wo diese Kirche stand, in denen Menschen Zuflucht suchten – und verbrannten. Ich sehe Reste von halbverkohlten Kleidungsstücken und Fotos. Mein Kopf ist leer. Es reicht gerade noch dazu, die Viedeokamera auszupacken und zu filmen. Wenn mir schon die Worte fehlen, dann sollen wenigstens Bilder sprechen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Eine Antwort auf „Wenn einem die Worte fehlen“

  1. Kann nachfühlen, wie es Dir ging. Geht mir grad auch so. Weiß nicht, was ich sagen soll…
    Außer, dass ich mal wieder den Eindruck habe, dass Ihr beiden genau zum richtigen Zeitpunkt dort unten gelandet seid.
    Der Herr segne Euch und alle, die beim Msafara mit helfen!

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