„Ich hab noch einen Koffer in Berlin…“„I still have a suitcase in Berlin…“

… und nur noch 5 in Nairobi. Es wird nicht ernst – es ist ernst.  Wir haben unseren Haushalt aufgelöst, sämtliche Abschiede – formale und informale sind gefeiert worden, das Auto ist verkauft und jetzt geht es mit nur 5 Koffern nach Berlin. Dass dort ungefähr weitere 150 gefüllte Koffer auf uns warten, verraten wir jetzt nicht, aber es fühlt sich gut an, aus einem Umzug – zumindest was die Anzahl der Gepäckstücke angeht – eine größere Urlaubsreise zu machen.

Unser letzter Eindruck von 3, 5 Jahren Kenia soll nicht irgendeiner sein, nein wir werden noch einmal das inhalieren, wovon wir schon lange für Deutschland träumen: ein letzter Mavuno-Gottesdienst. Den nehmen wir dann mit in unsere neue Heimat. … and only 5 in Nairobi. It doesn’t get serious, it already is serious. We resolved our household, had several farewells – formal and informal ones -, the car is sold. Now it’s time to go to Berlin – with only five suitcases! I’m not about to mention that around 150 more are waiting for us at our destination. It just feels good to turn a relocation into a holiday trip considering the number of suitcases…

Our last memory after 3.5 years of Kenya shouldn’t be just another one. No, we are going to inhale what we dream for Germany since years: a Mavuno service. This is what we take to our new home.

Historischer Moment

Nun ist es amtlich, offiziell, unwideruflich – wir sind seit 6.2. die Mavuno-Berlin-Pastoren. Vor ca. 3000 Zeugen wurden wir nicht nur nach Berlin geschickt, sondern haben ein öffentliches Versprechen abgegeben Leiter nach biblischen Maßstab zu sein und für die uns anvertraute Gemeinde zu sorgen. – Das Versprechen war fast so feierlich wie unsere Hochzeit.

Nicht nur für uns persönlich, sondern auch für Mavuno als gesamte Gemeinde war das ein historischer Moment, denn an diesem Tag war Mavuno als afrikanische Gemeinde erstmalig sendende Gemeinde, und zwar in ein Land, was Kenia vor über hundert Jahren missioniert hat. (Kyamas Großvater wurden durch weiße Missionaren Christ). Deutschland ist in kenianischen Augen nicht irgend ein Land, sondern der Schlüssel zu Europa. Viele beten schon seit Jahren für Deutschland – und nun endlich werden 2 Missionare von Mavuno nach Deutschland gesandt.
Nicht nur wir haben ein Versprechen an diesem Tag abgegeben, sondern auch die Gemeinde: Sie wird uns im Gebet unterstützen.



Als ob das alles nicht schon genug wäre, hatten wir an diesem Tag (und die ganze Woche davor) Gäste aus unserer zukünftigen Gemeinde in Berlin. So wurden wir von Mavuno nicht nur ausgesandt, sondern im gleichen Atemzug von der Berliner Delegation entgegen genommen.

Auch wenn wir wissen, dass uns die eigentliche Arbeit und enorme Herausforderungen erst noch bevor stehen, so war dieser Moment ein sehr gelungener Start, der uns Mut macht.

Jahreseinstieg in Mavuno

Unser vollzeitliches Mitarbeiterteam von Mavuno ist nun mittlerweile auf über 80 Leute angewachsen, zu unserem jährlichen Staff Reteat (Mitarbeitertagung) waren wir fast hundert Leute – und ziemlich international. Neben den drei Deutschten ist ein ganzes Team aus Kampala (Uganda) angereist, außerdem haben wir Praktikanten aus Sambia, Ruanda und den USA. Mavuno ist also längst nicht mehr kenianisch.
Auch in diesem Jahr hat sich die Gemeinde nicht lumpen lassen und die Kosten für jeden komplett übernommen, und das bei einem hohen Standard an Unterkunft und Essen. Mitarbeitermotivation am Anfang des Jahres ist kein Extra sondern für den Erfolg und das Erreichen der Ziele eine Bedingung. Ausgebrannt sein, Demotivation oder Konflikte können ein ganzes Team lahm legen – und damit auch das Wachstum von Gottes Reich. Das wollen wir uns nicht „leisten“, darum gönnen wir uns 5 Tage Teambuilding.
Das waren die Highlights unseres 5-tägigen Treffen:
Knackiger Input und energiegeladener Lobpreis
Ein Pool, der Fun garantiert
Teambuilding
Der Segnungsabend zum Schluss
Unser Abschied-nehmen von Kenia hat begonnen…

Von wegen eingeschneit

So, wir müssen jetzt mal einen Gegentrend zum deutschen Winterwetter setzten. Wir hätten gern eine Schneeballschlacht zur diesjährigen Mitarbeiter-Weihnachtsfeier gemacht, stattdessen gab es ganz traditionell viel Sonne, Sonnenbrand und Fleisch. Für alle, die schon nicht mehr wissen, wir sich Sommerwetter anfühlt hier ein Auszug aus unserer heutigen Abschlussparty (oder eben Weihnachtsfeier):


Wenigstens die Füße blieben auf der Seifenbahn kühl


Sehr beliebt bei Kenianern: „Bring“-Spiele – bei denen irgendwelche Gegenstände um die Wette herbeigeschafft werden sollen und von denen es meistens nicht genug gibt (wie z. B. der Autoreifen, um den sich hier 2 Teams streiten)…


… oder eben auch Menschen. Folgende Aufgabe war hier: Schafft einen deutschen Mann herbei. – Nun, es gab nur zwei, und der älter war schon vergeben. Dann musste eben unser Sohn – zum Glück in seiner Tiefschlafphase – herhalten. (Die Gruppe bekam den Punkt übrigens.)

Unsere Gruppe bekam den Punkt für die Vielfältigkeit: Jeder auf dem Bild gehört einem anderen Stamm an – und Linda verteitigt ihr kostbares „Beutegut“ – die Weiße und die Massai.


Dass beliebteste Spiel“zeug“ blieb unser Sohn – die Auswahl an potentielle Schwiegertöchtern ist enorm. Trotzdem hat es keine geschafft. Alle Anträge wurden von der Mutter abgelehnt…

…scheint ihm auch gar nichts auszumachen

Na – da vergisst man doch gleich das Winterwetter, oder? 🙂

… und diese Woche in Kampala

So schön wie die Urlaubstage von Daniel waren – der erste Tag im Gemeindebüro kommt bestimmt. Und der war am Freitag. Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass es wieder etwas Neues, unterwartetes geben wird. Die spannende Frage war nur, was es diesmal sein wird.
Für Dezember waren schon einige Predigttermine auswärts geplant. Aber so sehr auswärts dann doch nicht. Irgendjemand hatte die Idee gehabt, dass Daniel diese Woche in Mavuno Kampala, eine unserer Gemeindegründungsarbeiten, predigen wird. Kampala … Wo war gleich Kampala … ach ja, das ist ja gar nicht in Kenia, das ist die Hauptstadt von Uganda. Flug ist natürlich noch nicht gebucht und alle weiteren logistischen Details sind selbstverständlich auch noch offen. Der Predigtinhalt übrigens auch.

Bei all dem kann ich ja froh sein, dass es „nur“ Uganda, also gleich um die Ecke ist und nicht Sambia (zwei Länder weiter südlich von Kenia) – da läuft gerade auch unser Glaubensgrundkurs.

Affentheater

Das waren noch Zeiten, als wir nur abends im Dunkeln nicht vor die Tür gegangen sind, weil der Löwe gebrüllt hat. Jetzt müssen wir sogar mitten am Tag, vorzugsweise während der Mittagszeit in unserem eigenen Garten auf alles gefasst sein. Schon vor längerer Zeit ging Daniel „schwer bewaffnet“ mit einem Knüppel durch den Garten, weil ein Riese von einem Affen es sich dort gemütlich gemacht hatte.

Neulich pinkelte dann eines kleinere Version selbiger Gattung dirket auf die Türschwelle zur Terrasse. Vor ein paar Tagen verbündete sich einer von ihnen mit unserer Katze, die laut miauend in der Tür stand während ich Mittagessen kochte. Der Kerl saß gerade mal einen 30 cm hinter der Katze und 50 cm vorm Kinderwagen, in dem mein Sohn schlief. Er schaute mit einer Erwartungshaltung zu mir, als wäre selbstverständlich, dass Affen bei uns auch was von Mittagessen abbekommen und drollte sich dann zum Wasserhahn im Garten, als er merkte, dass ich unerbittlich war.
Die Rache folgte gestern. Nichtsahnend stand ich neben dem Küchenfenster, als auf einmal der selbe Kerl unverhofft auf den Fensterstock sprang und mit – wenn auch nur kurz – breit angrinste. – Ich will meine Löwen zurück, die brüllen wenigsten nur!

Berlin.

Die Zeit in Berlin war kurz, gut, aufschlussreich. Was wissen wir, was wir vorher noch nicht wussten?

  • Berlin ist jung, dynamisch, (manchmal) verrückt. – Bei Studenten steht die Stadt hoch im Kurs, jeder will hier hin, was sich natürlich an den NC’s bemerkbar macht.
  • 1,8 Mio Menschen (die Hälfte der Bevölkerung!) sind weg- und zugezogen, hier ist als viel in Bewegung. Und so viel Urbewohn Urberliner, die aus ihren Kiezen nicht herauskommen wollen, gibt es dann offensichtlich auch nicht (mehr).
  • Mavuno hat einen Platz in Berlin. Wir haben bei unseren Recherchen keine Gemeinde in Berlin ausfindig gemacht, die auch nur annähernd ähnlich „tickt“ wie Mavuno.
  • Ein Anfang Zwanzigjähriger Urberliner erwähnte unsgegenüber, dass das Bild, was der Berliner von Kirche hat, 500 Jahre alt ist und das die Kirche offensiv Vorurteile abbauen soll. Außerdem soll sie sich in Politik einmischen. – Na dann mal los!
  • Berlin, wir kommen. Wer kommt mit?

    UUURlaaauuub! Endlich.

    Das Packen war etwas mühselig – wie unschwer zu erkennen ist.

    Und auf theologische, pastorale, gemeindliche Fragen, Emails oder Bemerkungen wird unsererseits NICHT reagiert!

    Wir führen stattdessen unseren Sohn in die europäische Flora ein. – Mit großem Erfolg, wie unschwer zu erkennen ist.

    Heute habe ich 2 Emails von meiner Familie bekommen, die gerade buchstäblich auf der ganzen Welt verstreut ist.

    Und so sieht es gerade in Neuseeland aus:

    Und so in Sachsen:

    Und so in Kenia:

    Wie unschwer zu erkennen ist, trainiert Ferdinand schon mal für die spätere Erkundungen des großelterlichen Gartens und die Skipiste und wächst unaufhörlich.

    Wenn sein Papa nach 3,5 Wochen nächsten Donnerstag wieder in der Tür steht, wird Ferdinand mir entgegen gerannt kommen und fragen, wer der fremde Mann da sei …

    Stehlen verboten!

    Gestern fand 50m von unserem Haus eine Hochzeit statt. Wie in Afrika üblich, werden nicht nur Onkel und Tanten, sondern auch Hinz und Kunz eingeladen, so das eine Hochzeit quasi immer eine Massenveranstaltung ist.
    Leider sind die Parkmöglichkeiten vor unserer Haustür sehr begrenzt, dafür gibt es in unserem Garten gerade pflückreife Guaven und unsere Nachbarn können gerade mit frischen Orangen aufwarten.
    Unsere Nachbarn bereiteten sich wie folgt auf das Großereignis vor:
    Sie plazierten einen ihrer Schäferhunde direkt auf die Einfahrt zu ihrem Haus, spannten außerdem noch eine Leine über die Einfahrt und hängten ein Schild daran mit der Aufschrift „Stehle nicht unsere Orangen!“

    Wir waren ziemlich ahnungslos und haben uns gar nicht auf den Besucheransturm vorbereitet, und so sah es dann bei uns aus:
    Daniel konnte das Auto weder ausparken (als er in die Gemeinde fahren musste) noch ein parken als er wieder kam. Stattdessen saßen in unserem Carport Hochzeitsgäste, die sich das Mittagessen gutschmecken ließen. Und Als Nachtisch gab es Guaven aus unserem Garten – frisch gepflückt und ungefragt.

    Was ich daraus gelernt habe?
    1. Lege dir so schnell wie möglich einen Wachhund zu.
    2. Habe immer Schnur im Haus, um die Einfahrt zum Haus abzusperren.
    3. Weise Fremde frühtzeitig durch ein Schild darauf hin, dass sämtliche Diebstähle aus dem Garten bemerkt und geahndet werden.