Ostern mit Entzugserscheinungen

Da bin ich gerade freiwillig (!) und in beiderseitigem Einvernehmen eine Nacht von meinem angetrauten Gatten getrennt – und schon finde ich die Welt zum Ko…

Nach einer netten Karfeitagsgartenparty bei einem unserer Pastoren und einem entspannten, (relativ) freien Osterwochenende – ohne Ostereier und Deko, dafür mit Wein und Nutella – habe ich mich doch gewagt, an einer Chick – oversleep-Party teilzunehmen, was so viel heißt wie „Frauenübernachtungsfeier ohne Männer und Tupperware“. Und es war wirklich lustig. Essen kochen. Kuchen essen. Film gucken fiel aus wegen zu viel Gesprächsstoff.
Endlich mal entspannt mit ein paar von unseren Intern-Mädels über die Eigenarten von afrikanischem Haar und kenianischer Kultur zu sinnieren, über die Eigenarten mancher Pastoren zu schmunzeln und sich ganz ungeniert über kenianische, schweizerische, amerikanische und deutsche Männer auszutauschen.

Doch das sollte mir teuer zu stehen kommen. Bereits in der Nacht grummelte es in meinem Bauch, und nach dem ich meinen Mann gerade mal 14 Stunden nicht gesehen hatte, brüllte ich in den Morgenstunden verzweifelt die Toilette an. Naja, es war eher ein flüssiges Jammern.
Ich muss wohl ziemlich erbärmlich ausgesehen haben, denn die anderen guckten mich einige Zeit später mit großen, mitleidigen Augen an. – Na, dann hat sich das ja schon mal gelohnt. Um noch mehr Zuwendung zu bekommen, benachrichtigte ich meinen Gatten über den Fluss der Dinge, worauf er sich doch promt ins Matatu setzte, um mich bei einem Holywood-Streifen auf der Couch meiner Freundin zu bemitleiden.
Interessanterweise stieg meine Körpertemperatur danach trotzdem noch an, doch mit einem ganzen Mann, einer halben Tasse Tee und einer halben Mango ging es mir abends im eigenen Bett schon wieder besser.

Und wie es den unverheirateten Frauen geht? – Heute bekam ich die Nachricht, dass meine schweizerische Freundin ( bei der ich übernachtet habe) Thyphus hat – trotz Impfung!

Kuriositäten

Noch ein paar kleine Kuriositäten von unserer Dienstreise

  • die häufigste Frage, die uns gestellt wurde war: „Seid ihr Geschwister?“ und „Was, ihr seid schon 6 Jahre verheiratet?“ (Kenianer/innen heiraten viel später.)
  • Wir haben ein afrikanisches Equivalent zu Bratwurstschnecken von Aldi gefunden: Schlange fangen, aufrollen und auf den Grill legen
  • in einem „Restaurant“ bestellte Daniel Pommes, bekam jedoch Pommes UND Würstchen, was ihn sehr erfreute, bis der Ober wieder kam, (Daniel aß bereits) die Würstchen mit einer Gabel wegnahm, sie auf einen anderen Teller legte und sie dem Herrn am Nachbartisch servierte
  • als Mittagessen bekamen wir in Eldoret ein Lunchpacket, mit einem Hühnerbein, an dem mehr Federn als Fleisch war – ich habe nach diesem Anblick freiwillig gefastet
  • zur Pinkelpause machten wir an einer Polizeistation mit unseren 6 Bussen halt, wo es für Frauen wie Männer jeweils nur ein Toiletten-Loch im Boden gab – die Pause zog sich bei mehreren hundert Leuten dementsprechend lang hin
  • Toilettentüren lassen sich prinzipiell nicht schließen, und wenn, dann macht es keiner – ist fürs Gemeinschaftgefühl besser
  • Upcountry

    Auf ins Innere von Kenia! Mit 6 Bussen startete unser Konvoi gestern Vormittag von Nairobi und fuhr in weiter ins Gebirge über Naivascha nach Nakuru. Kleine Extra-Herausforderung: Wir fahren nicht mit Reisebussen, sondern mit Linienbussen. D.h. In einer Reihe sind statt 4 5 Sitzplätze und es ist dementsprechend eng. Platz für unser Reisegepäck und den den Hunderten Wasserflaschen gibt es ebenfalls nicht. Für uns beide bedeutet das, unsere Reisetasche steht da, wo eigentlich unsere Füße hin sollten, Rucksack und Kamera werden irgendwo daziwschen gequetscht.

    In Naivascha werden wir am Stadtrand herzlich in Empfang genommen und mit einer Autokolonne zur Gemeinde geleitet. Wir öffnen die Tür vom Bus und singen Lieder. Die Leute gucken, staunen, manche wollen einsteigen, weil sie denken, es ist ein Linienbus.

    Wir sind wieder mal viel zu spät dran. Darum stürzen wir aus dem Bus raus, ohne Verzug zum Gottesdienst. Singen und beten – wir kennen das nun schon, aber trotzdem ist es immer wieder bewegend. Gott ist da – das erleben wir.

    Später in einem Flüchtlingscamp in Nakuru sehen wir Bilder der Zerstörung von einem britischen Helfer, der überglücklich ist, uns zu sehen. Und wieder sind ie Erwartungen der Flüchtlinge groß, gerade an die Weißen. Und die Leute verstehen nicht, dass wir kein Geld mit haben und auch nicht geben können. Wir haben Hilfspakete mit. Doch es stellt sich wieder mal heraus, es sind viel zu wenig. Ein Mädchen will ein Lied für mich singen, wenn sie ein Paket bekommt. Denn die „Schuhe“ (Flipflops), die sie trägt sind nur geliehen.

    Mit Einbruch der Dunkelheit verlassen wir das Camp, während immer noch viel darauf warten und hoffen, ein Hilfspaket zu bekommen. Und ich fühle mich wieder einmal traurig und hilflos.
    Konnten wir hier was bewirken? Haben wir Hoffnung bringen können? Oder waren wir nur eine nette Abwechslung in dem tristen und staubigen Camp-Alltag?

    Fast wie in alten Zeiten

    Wir sind heute selber Auto gefahren, so richtig mit mit selber Gas geben und selber lenken. Und dazu noch richtig lang. Wow, das war ein Gefühl nach 4 1/2 Monaten „fasten“.

    Wie’s dazu kam? Ganz einfach. Wir haben eine SMS von Oscar bekommen: „Wollt ihr mit meinen Auto ohne mich von Mombasa nach Nairobi zurückfahren?“ – Kein Scherz, das war ein ernsthaftes Angebot. Ich hätte ja zurückgeschrieben: „Ja gern, und die restlichen drei Jahre würden wir es auch gern fahren.“ Aber ich durfte nicht, Daniel war dagegen. Wie immer. 🙁

    Während die Herrschaften den Flieger nahmen, das restliche Fußvolk mit dem Bus über Nacht zurück fuhr, durften die Weißen einen Tag später und ausgeruht mit dem Auto fahren. Ach war das scheen.

    Und jetzt hat Daniel gerade das Problem, dass er den Wagen nicht wieder los bekommt, weil Oscar verschwunden ist. Von mir aus. Hab doch gleich gesagt, wir behalten ihn, aber mein Mann wollte nicht hören…

    Dreistundengottesdienst

    Höhpunkt und Abschluss in Mombasa war ein über drei Stunden dauernder Gottesdienst, bei dem alle wichtigen Kirchen- und Gemeindevertreter teilnahmen.
    Es wurde viel gebetet, gesungen, geweint. Sehr bewegend, wenn auch die Musik sehr laut und der Sound ziemlich schlecht war.

    Hier ein paar Impressionen:

    Salz der Erde

    Heute haben wir zu der biblischen Aussage „Ihr seid das Salz der Erde.“ eine neue Bedeutung hinzugewonnen.

    Bereits um 7.00 Uhr wachten wir verschwitzt auf und eine leichte Brise Meerluft brachte auch kaum Kühlung ins Zimmer. Und salzig-feucht war sie außerdem. Wir erwarteten unsere 300 Mitstreiter aus Nairobi um diese Zeit im Gästehaus, Gegen 10.30 Uhr traf die „Vorhut“ ein. Für afrikanische Verhältnis war die Reisebilanz gar nicht schlecht: statt 20.00 Uhr waren sie 22.00 Uhr losgekommen, von 6 Bussen haben nur 2 schlapp gemacht. Alle Insassen sind noch am Leben, Der Busfahrer ist unterwegs nicht eingeschlafen. Alle geplanten Veranstaltungen werdern um Stunden nach hinten verschoben.

    Duschen war für alle Ankömmlinge Pflicht, wenn es auch nicht viel Sinn machte. Denn keiner wurde an diesem Tag wirklich sauber und hatte eine trockene Körperstelle. – Schwitzen für Jesus! Während wir unsere Salzwasser(!) -Zimmerdusche unseren Interns zur Verfügung stellten, versuchte ich mir vorzustellen, wie sich der Gebetsmarsch durch Mombasa bei 33°C, gefühlte 250 % Luftfeuchtigkeit und kein Schatten anfühlen wird. Ich kam zu dem Schluss, dass ich so was nicht mal für meinen Mann machen würde, und dass das auch für Jesus eine Außnahme bleiben soll.

    Bereits um 12.30 Uhr stand ich das dritte Mal unter der Dusche. Warum, weiß ich auch nicht so genau, denn ich tauschte damit nur das körpereigene Salz gegen Meersalz aus.

    Als es dann wirklich in die City nach Mombasa mit den Bussen ging, waren alle wieder durchgeschwitzt – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Meine Achseln füllten sich zusehends mit Schweiß, als Daniel und ich feststellten, unser Busfahrer ist nicht mehr ganz auf der Höhe. Entgegenkommende Auto mussten ausweichen und kleine Fahrbahnabweichungen zum Seitenstreifen waren die Regel. – Wir startenen unseren eigenen Gebetsmarsch damit bereits im Bus. Daniel marschierte zum Busfahrer, um ihn wach zu halten, ich betete.

    Und wie der eigentliche Gebetsmarsch war?
    Heiß, schweißig und eine Stunde kürzer. Aber dafür richtig gut:

    Fazit:
    Wenn ca. 400 Christen für Jesus auf die Straße gehen, kommt ganz schön viel Salz für die Erde zusammen.

    Ich bete jetzt, braucht ihr was?

    Ein kleiner Junge sagte zu seinen Eltern: „Ich bete jetzt, braucht ihr was?“

    Diesen Satz entdeckten wir auf der Februarseite unsers Kalenders, den wir von Freunden aus Deutschland geschenkt bekommen haben.

    Hier sind in Auszügen die Dinge, die wir für den Msafara brauchen, für die wir gebetet haben – und die Antworten von Gott:

    Was wir brauchen:

  • 4 Containerladungen Nahrungsmittel
  • ausgestattete Büroräume für 40 Leute
  • 100.000 Hilfspakete für Flüchtlinge
  • viel, viel Geld
  • Unterkunft an den einzelnen Msafara-Stationen für ca. 300 – 500 Personen

  • Was geschenkt bekommen haben (innerhalb von 3 Wochen)

  • 1 Containerladung Nahrungsmittel
  • Büroräume für 40 Leute
  • Computer, Drucker
  • 2 LKWs zum Transport für die 100.000 Hygienepacks
  • 1000 l Diesel für Busse und LKWs (vielleicht bezahlt Shell sogar alles)
  • 1 Radiosender, der kostenlos berichtet und Werbung macht
  • 1 Fernsehsender, der kostenlos berichtet und Werbung macht
  • 15.000 Hygienepacks für Flüchtlinge (es sollen 100.000 werden)
  • ca. 100.000 € Spenden aus aller Welt (USA, Australien,…)
  • Viele Ermutigung, Gebetsunterstützung, Besucher auf dem Msafara-Blog

  • Der Preis, den die Mitarbeiter bezahlen:

  • 7 Tage in der Woche arbeiten, rund um die Uhr – im wahrsten Sinne des Wortes
  • ein Höchstmaß an Flexibilität und Einsatzbereitschaft
  • 7 Tage Fasten
  • mindestens eine durchwachte (Gebets-)Nacht
  • zum Msafara dabei sein auf eigene Kosten (ca. 200 € pro Person)
  • Infiziert

    Dass es in Afrika viele und große Bakterien und Viren gibt, ist weithin bekannt. Aber dass dieses Viehzeug sich auch auf technischem Gebiet unglaublich rasant vermehrt war mir nicht bewusst. Bis gestern.
    Da habe ich mir einen USB-Stick von einem netten Kollegen ausgeliehen. Doch bevor wir die Dateien darauf speichern konnten, mussten wir 400 Vieren entfernen. Das ist kein Schreibfehler. 400! So viel gibts wahrscheinlich in keinem deutschen Krankenhaus und in keiner deutschen Computerfirma.

    Um so erstaunter war eine andere Kollegin, dass sich auf meinem USB-Stick kein einziger Virus befand. – Apple machts möglich! 🙂

    Das war die Krönung

    1. Krönung
    Gestern wurde ich endlich gekrönt. – Von Nelson, meinem Zahnarzt. Mit anderen Worten, meine Zahnweh-Story hat jetzt offiziell ein Ende, wofür ich sehr dankbar bin.

    2. Krönung
    Vom Zahnarzt ging es gleich weiter zu einer Schule, die Flüchtlingskinder beherrbergt. Diese Schule steht irgendwo weit nach Nairobi auf einem Hügel, mit afrikanischer Verkehrsanbindung. D.h. es fahren nur wenige Matatus diese Strecke, was widerum heißt, dass die wenigen Matatus mehr als voll sind. Dabei hatte ich einen neuen persönlichen Rekord zu verzeichnen: wir waren 24 Personen in einem Nissankleinbus (der in Deutschland weithin als Neunsitzer bekannt ist).
    Nach verlassen des Matatus wurde ich zum krönenden Abschluss vo selbigen Gefährt noch so richtig eingestaubt (die Straße ist nicht asphaltiert), dass es zwischen den Zähnen nur so geknirscht hat.

    3. Krönung
    Als ich am Abend meine nicht nur wohlverdiente, sondern auch sehr notwendige Dusche nehmen wollte, kam kein Wasser aus dem Hahn. Und das, obwohl unser Wassertank voll war. Daniel versuchte mit schniefender Nase (wegen seiner Erkältung) und missmutiger Laune (er muss was kompliziertes für Oscar ausarbeiten) am Wasserhahn rumzudoktern, was jedoch trotz mehr oder weniger guten Willens ohne Erfolg blieb.
    Da in in der Küche noch ein funktionstüchtiger Wasserhahn vorhanden war, konnte ich mir wenigstens einen Topf mit Wasser für eine „Handdusche“ erwärmen.

    Während ich so langsam einschlief, fiel mir auf, dass viele meiner Haupttätigkeiten darin bestehen, Situationen zu bewältigen, die mir in Deutschland völlig fremd sind.