Ehe gerettet

Er geht wieder, der Mac. Und mein Mann auch. – Beide sind wieder friedlich miteinander. Der Mac hat kurzerhand ein neues Innenleben bekommen, sprich eine neue Festplatte – sogar mit mehr Speicherplatz und dem neusten Betriebssystem. Hätten wird nicht gedacht, dass das in Kenia so problemlos geht, aber Apples weltweite Garantie macht’s binnen 24 Stunden eben möglich. Lob!

Kalter Entzug

Gemütlicher Feierabend, afrikanisches Finger Food (Ugali), nette Gespräche mit Gesine, die Wise Guys tönen aus den Lautsprechern und wir amüsieren uns über Musik und Text. Doch nicht lang, denn von jetzt auf gleich ist alles still. Nein, Stromausfall hatten wir schon den ganzen Tag im Büro, das ist es nicht. Akku vom Computer ist auch nicht leer, außerdem hängt der Mac am Netz. Aber er tut nix mehr. Gar nix. Hochfahren, runterfahren, CD reinfahren – er weigert sich. Schlägt sich Kulturstress auch auf Macbooks nieder? Verkraftet er die Kälte nicht? Hat er Heimweh nach SauberDeutschland? Oder hat er zu viel deutsche Musik spielen müssen?

Daniel lässt sich bei Computerproblemen nicht so schnell aus der Ruhe bringen, aber jetzt wird er abwechselnd weiß und rot, später unruhig, wütend und schliesslich fassungslos. – Sein noch nicht einmal ein Jahr alter Mac bzw. dessen Festplatte hat einfach so ohne Ankündigung den Geist aufgegeben. Das Ding geht zwar noch einzuschalten, auf dem Bildschirm erscheint aber nur noch ein Fragezeichen – als ob das irgendjemanden weiterhelfen würde.

Daniels Wut bekommt nun panische Züge. Die restlichen drei Frauen im Haus (Jane, Gesine, Nancy) gehen außer Schussweite, unterhalten sich nur noch flüsternd und nur wenn es sein muss. Bloß nicht ansprechen oder blöde Fragen stellen! Schließlich kommt die traurige Gewissheit – das Ding, also die Festplatte, ist hin.
Bereits Minuten später leidet Daniel unter heftigen Entzugserscheinungen und ungeahnte Persönlichkeitsanteile treten ans Licht. – Endlich kann ich meine psychotherapeutischen Erfahrungen mit Leuten im Entzug anwenden. Das darf ich allerdings in dem Moment weder sagen noch mir anmerken lassen. Ich schicke ihn ins Bett und atme tief durch. Wenn mein Mann nicht bald wieder einen funktionierenden Mac hat, ist unsere Ehe ernsthaft gefährdet.

Deutsche Woche

Diese Woche ist alles ganz deutsch bei uns. Nicht nur weil Deutschland diesmal wieder in der Finalrunde mitspielt und sich den Ösis auch im 22. Jahr nicht geschlagen gegeben hat. Neben den Fußballfreuden geht es um andere (Gaumen)Freuden: wir haben importiertes deutsches Brot, deutschen Käse, deutsche Nutella, deutsche Birkenstocks, deutschen Besuch. Endlich! Seit Wochen fiebern wir unserem ersten original deutschen Gast entgegen, und am Freitag war es abends 21.00 Uhr mit 20 Min Verspätung dafür aber ohne Kofferkontrolle am Flughafen soweit.
Wie Kinder zu Weihnachten konnten wir es kaum erwarten, Gesine mit ihren beiden großen Koffern (von denen einer komplett für uns war) in Empfang zu nehmen. Unruhig hüpften wir die Minuten zählend von einem Bein aufs andere. 23.00 Uhr kam dann zu Hause der große Augenblick: die Öffnung des 30 kg Koffers. Unser Gast war genauso aufgeregt wie wir, weil sie nur Postbote spielte und gar nicht wusste, was sie um die halbe Welt schleppte.

Und so sah es aus:

Das Geheimnis wird gelüftet...
Wie ein Westpaket...
Eine Handvoll Kaugummis
Für die drei Zentner Marmelade...

Menschenskinder!

Ich über lege mir seit gestern Abend ernsthaft, die Staatsbürgerschaft zu ändern. Wenn die Deutschen in Afrika für was berühmt sind, dann ist es Fußball. Aber mal ehrlich, das war doch kein Fußball gestern, oder?
Da sind wir schon mal abends in einer der berühmtesten Kneipen Nairobis, um Aarons Jazz life zu geniesen, haben noch das unglaubliche Glück über der Bar auf einem Flachbildschirm das Deutschland-Kroatien Spiel mit zuverfolgen, und dann so was. Menschenskinder, muss man sich denn um alles kümmern!?

Ich meine, die Kenianer spielen auch mehr gerne als guten Fußball, aber sie können wenigsten tanzen, Klavierspielen und singen. Aaron mit Kanjii (unsere Gemeindemusiker) lockten sogar die anderen Weißen von ihren Barhockern und Bildschirmen weg, als sie den Saal zum toben brachten mit ihrer unglaublichen verspielten Kreativität und Unterhaltungskunst. Getränke wurden nicht mehr serviert, weil das Personal von den Bühnenaktivitäten in Bann gezogen wurden, dafür sorgten die Mavuno-Praktikanen und Angestellten vor der Bühne für spontane Tanzeinlagen, die den Rest der Gäste zum Mitmachen animierten. – Und wir mitten drin. Deprimiert über Ballack, über den vergessenen Fotoaparat und über die eigenen mangelnden Tanzkünste. Das muss sich ändern.

Steinreich oder Steinreis

Wir haben ein neues Hobby. Aber nur, wenn es bei uns Reis zu essen gibt. Wir sammeln Steine. Sie sind winzig klein, meistens braun – und in unserem Reis.

Nun, wir wollen nicht klagen. Während weltweit von großen Hungerkatastrophen gesprochen wird, haben wir immerhin neben Aldi Wurst (die aufs genaueste eingeteilt wird!) auch noch Reis. Und der ist nicht, wie in den guten, alten Tagen damals an der Elfenbeinküste (2002) mit reiskornähnlichen Würmern bespickt sondern nur mit Steinen. – Da wird man doch richtig dankbar. 🙂

Wir verbringen also nach dem Befüllen unserer Teller erst mal eine 1/4 Stunde mit aussortieren: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen… oder auf dem Tellerrand. Daniel macht das besonders akribisch (da kann er seine zwanghafte Natur mal so richtig ausleben 😀 ). Allerdings hatte er seine Brille nicht auf. Der Erfolg: bei seinem allerletzten Bissen seines wohlverdienten Abendessens knirscht es so dermaßen zwischen seinen Zähnen, dass ich instinktiv zum Handy greife, um die Telefonummer unseres erst am Morgen visitierten Zahnarztes herauszusuchen.

Wenn es demnächst also wieder eine Zahnartztstory gibt, wisst ihr, warum.

P.S. Vorsorglich haben wir schon mal ein neues Spendenprojekt angefangen: Eine Zahnprothese für Daniel. Alle unter dem Stichwort „Steinbeißer“ eingegangen Spenden werden wir für Daniels Zahnprothese verwenden.

Alle weg

Heute ist ihr letzter Arbeitstag in Nairobi Chapel. Sehr bedauernswert! Besonders für mich, da Cornelia die einzige (schweizer)deutsch sprechende Kollegin, Freundin, Übersetzerin und Korrekturleserin war. Wenn ich die Nase von der kenianischen Kultur mal voll hatte – dann bin ich zu ihr ins Büro gekommen. Wenn ich in Sitzungen wieder mal Bahnhof verstanden habe – sie hat mit eine deutsche Zusammenfassung gegeben – kulturell kontextualisiert, versteht sich. Wollte ich außerhalb vom Büro das Internet nutzen ohne Geld zu bezahlen – sie hat mich zu ihrer Gastfamilie nach Hause eingeladen. Und jetzt geht sie, weil sie in der Schweiz eine Pfarrstelle antritt. Ich konnte sie einfach nicht überzeugen, dass ich in tiefe Depressionen fallen werde, mein Deutsch komplett verlerne und die Rundbriefe vor Fehlern nur so strotzen werden, wenn sie geht.
Ich werde dich vermissen, Cornelia!

Und als ob das nicht genug wäre. Alle uns bekannten deutschen und schweizerischen Missionare in Nairobi hauen ab. Ohne uns zu fragen. Manche für immer, manche flüchten nur für dem kenianischen Winter und kommen in ein paar Monaten wieder.
Und wir? Wir frieren uns die Füße ab, vermissen deutsches Essen und kämpfen uns jeden Tag durch Nairobis chaotischen Straßen… Gelobt sei, was hart macht…

Roadrunner und Ampeln

Es war längst überfällig, und wir haben es endlich getan. Unser Glossar ist und wird nun wieder erweitert. Da sich die Anfragen auf Besuche aus Europa mehren, wollen wir allen zukünftigen Besuchen die Chance geben, sich angemessen auf den Kenia-Besuch vorzubereiten. Dazu gehört unbedingt der sachgemäße Umgang mit Ampeln und Roadrunnern.

Leidenschaftlich Leiten – das Impulsmail

Wir wollen, dass unser Motto „Für Deutschland in Kenia“ schon jetzt Realität wird. Für alle, die uns finanziell unterstützen haben wir das Impulsmail „Leidenschaftlich Leiten“ ins Leben gerufen. Darin schreiben wir etwa 10x jährlich von unserem Blick hinter die Kulissen zweier stark wachsender Großstadtgemeinden in Nairobi, Nairobi Chapel und Mavuno Church, und stellen uns der Frage: „Wie kann das Gelernte in Deutschland umgesetzt werden?“

Die beiden ersten Ausgaben können hier herunter geladen werden:

Leidenschaftlich Leiten Nr. 1
Leidenschaftlich Leiten Nr. 2

Wenn Du zum Kreis unserer Unterstützer gehörst, dann landet die aktuellste Ausgabe automatisch in deiner Inbox. Wenn Du durch die beiden ersten Ausgaben auf den Geschmack gekommen bist und alle weiteren bequem erhalten möchtest, dann kannst du hier Teil unserer Arbeit und Vision werden.

Wie finde ich einen Partner – und was mache ich dann mit ihm

Wir haben uns ein Taschenwörterbuch Swahili – Englisch gekauft. Wir dachten, es wäre gut, sich mit der Alltagssprache der Menschen hier zu beschäftigen und ein paar Redewendungen zu lernen. Dass wir z.B. die Kinder auf der Straße verstehen, die uns „wasungu“ hinterher rufen.
Doch was wir nicht wussten, ist dass wir darin eine Anleitung zum „Wie finde ich den Partner fürs Leben“ und „Wie werde ich ihn los, wenn er es doch nicht ist“ finden.
Unter der Überschrift „social“ (Zwischenmenschliches) fanden wir folgende Rubrik mit Stichworten in originalgetreuer(!) Reihenfolge:

romance
asking someone out – Fragen stellen
pick-up lines – Komplimente machen
rejections – abblitzen lassen
getting closer – sich annähern
sex – Sex haben
love – Liebe
problems – Probleme
leaving – Verlassen

Auf gerade mal 5 Seiten steht geschrieben, was man sagen muss, wenn jemanden angelt, mit ihm ins Bett hüpft, sich mehr oder weniger liebt, Probleme bekommt und ihm dann wieder den Korb gibt.
Damit wissen wir nun das Wichtigste in Swahili und üben schon fleißig Vokabeln. Allerdings nur zu Hause und wenn Jane es nicht hört. Nicht, dass sie in Verlegenheit kommt, wenn Daniel Vokabeln übt und „Nibusu“ sagt. Das darf er nur zu mir!
Was das heißt?
Küss mich!

Na dann…. bitte nicht stören! Wir lernen gerade Vokabeln….

Den Zahn kann er sich ziehen (lassen)

Erst habe ich gedacht, er will mir nur alles nach machen, als mein Mann meinte, er müsse zum Zahnarzt. Aber als er dann zurück kam mit der Botschaft, der Zahn muss raus, dachte ich, es scheint doch etwas ernster zu sein.
Und heute war es soweit. Fast wäre Daniel nach der Lokalanästhesie (zu deutsch Spritze) vom Stuhl gefallen, doch mit gut zureden und Händchen halten (ja, das machen wir immer noch und nicht nur beim Zahnarzt 🙂 ) ging es. Die beiden Zahnarzthelferinnen kannten wohl nicht den Unterschied zwischen einem weißen und einem ganz weißen (also der Bewusstlosigkeit nahen) Patient, un so musste ich die Frage, ob der Patient o.k. wäre mit streng krankenschwesterlichen Blick verneinen. – Ich wusste schon, warum ich mit ins Behandlungszimmer gegangen bin.

Aber, wir haben den Patienten in die Realität zurückgeholt und der Kieferchirurg hat an Daniel 2 1/2 Std. rumgeschnippelt und den Zahn rausgeholt, was eine echte Prodzedur war. Jetzt hat mein Mann sie nicht mehr alle – die Zähne. Hat aber dafür eine dicke Backe, eine rießen Zahnlücke, kann nicht reden, nicht essen, muss einen Haufen Pillen schlucken und mich Auto fahren lassen. Armer Daniel. Und dabei fährt er doch so gern in Nairobi Auto.