Gemütlicher Feierabend, afrikanisches Finger Food (Ugali), nette Gespräche mit Gesine, die Wise Guys tönen aus den Lautsprechern und wir amüsieren uns über Musik und Text. Doch nicht lang, denn von jetzt auf gleich ist alles still. Nein, Stromausfall hatten wir schon den ganzen Tag im Büro, das ist es nicht. Akku vom Computer ist auch nicht leer, außerdem hängt der Mac am Netz. Aber er tut nix mehr. Gar nix. Hochfahren, runterfahren, CD reinfahren – er weigert sich. Schlägt sich Kulturstress auch auf Macbooks nieder? Verkraftet er die Kälte nicht? Hat er Heimweh nach SauberDeutschland? Oder hat er zu viel deutsche Musik spielen müssen?
Daniel lässt sich bei Computerproblemen nicht so schnell aus der Ruhe bringen, aber jetzt wird er abwechselnd weiß und rot, später unruhig, wütend und schliesslich fassungslos. – Sein noch nicht einmal ein Jahr alter Mac bzw. dessen Festplatte hat einfach so ohne Ankündigung den Geist aufgegeben. Das Ding geht zwar noch einzuschalten, auf dem Bildschirm erscheint aber nur noch ein Fragezeichen – als ob das irgendjemanden weiterhelfen würde.
Daniels Wut bekommt nun panische Züge. Die restlichen drei Frauen im Haus (Jane, Gesine, Nancy) gehen außer Schussweite, unterhalten sich nur noch flüsternd und nur wenn es sein muss. Bloß nicht ansprechen oder blöde Fragen stellen! Schließlich kommt die traurige Gewissheit – das Ding, also die Festplatte, ist hin.
Bereits Minuten später leidet Daniel unter heftigen Entzugserscheinungen und ungeahnte Persönlichkeitsanteile treten ans Licht. – Endlich kann ich meine psychotherapeutischen Erfahrungen mit Leuten im Entzug anwenden. Das darf ich allerdings in dem Moment weder sagen noch mir anmerken lassen. Ich schicke ihn ins Bett und atme tief durch. Wenn mein Mann nicht bald wieder einen funktionierenden Mac hat, ist unsere Ehe ernsthaft gefährdet.
