Eiskalt erwischt!

In der letzten Woche hat es uns eiskalt erwischt. Wir sind für ein paar Tage verreist und nun haben wir wieder mal den Salat. Eiskalte Füße, keine warmen Klamotten, stattdessen Halsschmerzen und Schnupfen.
Dazu kommt, dass viele Leute absolut geschockt sind, wenn sie uns sehen. Manche brechen sogar in Tränen aus, andere umarmen uns so fest, dass uns fast die Luft weg bleibt und wieder andere sind einfach sprachlos.
Daniel hat zwar einiges an Gewicht verloren, aber so schockierend sieht er wirklich nicht aus. Ehrlich.

Es muss einen anderen Grund geben für so viel Emotionen. Wir vermuten, dass es daran liegt, dass wir ganz heimlich, still und leise einfach so ohne Vorwarnung in Deutschland aufgetaucht sind. Ja, ihr habt richtig gelesen. Wir haben Weihnachten und Silvester in DEUTSCHLAND verbracht. Ätschebätsch!
Eingefädelt wurde die Überraschung von Daniels Geschwistern, die sich Weihnachten ohne ihren großen Bruder einfach nicht vorstellen konnten. Naja, und damit hatten sie dann auch gleich ein Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern. – Und für meine. Und für meine Schwester. Und deren Töchter. Und für unsere Freunde.

Also, wenn ihr für dieses Jahr ein passendes Weihnachtsgeschenk sucht, was garantiert für Freude sorgt, dann haut so schnell wie möglich in ein fernes Land ab, kündigt an, dass ihr so bald (also mindestens ein Jahr) nicht wieder kommt, und steht dann einfach kurz vor Weihnachten vor der Tür. Ihr braucht gar nichts anderes mitbringen als euch selbst. Im Gegenzug werdet ihr nur so vollgestopft mit Gänse- und Hasenbraten, Schokolade und Wein. Und alle sind glücklich. In diesem Sinn ein gutes neues Jahr euch allen!!!

Schnee!!! (Und eiskalte Füße.)
Schnee!
Auto vom Schnee befreien.

Fleisch! Mal nicht kenianisch zäh, sondern ganz deutsch weich.
Fleisch!

Familie! Daniel mit seinem Bruder samt Töchtern beim Keniabilder angucken.

Familie

Im Knast

In einen kenianischen Knast zu kommen ist denkbar einfach. Und so geht es:

1. Möglichkeit:
Du verstößt versehendlich gegen die Straßenverkehrsordnung und wirst zufällig von einem übel gelauntem Polizisten erwischt. Dummerweise hast du kein Geld dabei, um die Strafe bzw. Bestechung zu zahlen, damit er dich wieder gehen lässt und er sich sein Mittagessen kaufen kann.

2. Möglichkeit
Du verstößt nicht gegen die Straßenverkehrsordung, hast aber bei der Verkehrskontrolle keinen gültigen Pass bzw. Aufenthaltsgenehmigung dabei oder den (internationalen) Führerschein vergessen und der Polizist hat etwas gegen Weiße.

3. Möglichkeit
Du gründest eine Schule in einem kenianischen Dorf ohne die notwendige Erlaubnis – und die Regierungsbehörden kommen dahinter.

4. Möglichkeit
Du bist Mitglied von Mavuno und damit Teil der Repräsentanten, die den Gefängnis (für die Gefangenen) zu Weihnachten Betten und Matrazen schenken. Und du wirst Zeuge, wie das erste kenianische Gefängnis überhaupt in den Besitz von Betten kommt.
Aus diesem Grunde bist hoch willkommen, bekommst Soda und Snacks und siehst viele dankbare Gesichter. Und das beste ist: du kommst ohne weiteres wieder raus.

Obwohl Möglichkeit 1 & 2 durchaus realistische Optionen für uns sind, ein Gefängnis von innen zu sehen, haben wir doch Möglichkeit 4 bevorzugt – und waren sehr berührt von dem, was wir gesehen haben.
Hier ein paar Eindrücke:

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Adventshopping 2

Nachdem sich die Körpertempertur meines Mannes glücklicherweise wieder abgekühlt hat, fing heute unser Auto an zu schwitzen – und ich mit. Nach 4 km Fahrt stand der Zeiger der Kühlwassertemperatur im dunkelrotem Bereich. Der Subaru muss sich wohl bei Daniel angesteckt haben – eine Art Streptokokkus Autotemperaturus major. Da ich jedoch nur was von Wadenwickel bei Menschen verstehe und nicht bei Autos, musste ich meinen immer noch kränklichen Mann aus dem Bett klingeln und mir Handlungsanweisungen für Auto-Wadenwickel abholen: Anhalten, sobald das Ding wieder zu heiß wird. Allerdings hat er mir nicht verraten, wie das in Nairobis Berufsverkehr auf den schon ohnehin zu engen Straßen gehen soll. Mit Gebet, lautem, unadressiertem Vor-Sich-Hin-Schimpfen und erhöhten Körperausdünstungen fuhr ich dann zurück nach Hause und habe Daniel den Fall übergeben – und einen Tag blau gemacht.

Morgen gibts dann mal zu Abwechslung neben Antibiotika und Ohrentropfen einen neuen Kühler fürs Auto. Es soll ja keiner zu kurz kommen!

Adventsshopping in der Apotheke

Was macht man, wenn die Weihnachtsstollen und Lebkuchen auf dem Weihnachtsmarkt in der deutschen Botschaft einfach zu teuer sind?

Man lässt sie einfach liegen, geht zum Arzt und lässt sich ein Rezept über verschiedene Pillen und Tröpfchen geben, in der Hoffnung, die Krankenkasse wird die Kosten erstatten. – Da tut man wenigstens was für seine Gesundheit!

Gestern sind wir also wieder mal in der Apotheke ausführlich shoppen gegangen – man gönnt sich ja sonst nichts. Wozu braucht man Weihnachtsgebäck, wenn mann Streptokokken im Körper und frau Hefe im Ohr hat? – Unser Zwei-Personen-Ökosystem wächst und gedeiht prächtig, das meinte auch Dr. Chunge, unser mittlerweile bester Freund und Tropenmediziner. Die Arzthelferinnen seiner Praxis kennen uns auch schon mit Namen, die Laborärztin der Praxis begrüßte Daniel wie einen alten Bekannten – da fühlt man sich doch wie zu Hause.

Keine Ahnung, wie die Streptokokken in Daniels Körper kommen, auf jeden Fall war ich dann doch etwas besorgt, als mein Mann die 40°C Körpertemperatur überschritten und sowohl Puls als auch Körperausdünstungen hatte, als käme er gerade von einen Marathon.
Da ist die Erklärung für die Hefepilze in meinen Ohren wesentlich einfacher: Mir kommt einfach langsam das lapprige, kenianische Weisbrot aus den Ohren wieder raus. Und weil da bekanntlich Hefe drin ist, sind einfach ein paar Sporen hängen geblieben.

Ich hatte ja gehofft, der Doc würde mir eine Deutsche-Brot-Therapie verschreiben, stattdessen, bekomme ich Ohrentropfen und Pillen. Naja, einen Versuch war es jedenfalls wert.

Mac weg

Es hatte alles so toll begonnen. Bill Hybels war höchst persönlich nach Nairobi gekommen und hat einen Vortrag gehalten. Die Leadership Summit 2008 war mit hochkarätigen Leuten wie Jim Collins (Autor von „Good to Great“) besetzt und wir als Mavuno-Mitarbeiter sind alle zusammen zu dieser Konferenz gegangen. Wir waren so ermutigt und beeindruckt von dem, was wir gehört haben, dass wir beide die Pause gleich zum fachsimpeln genutzt haben.

Das muss wohl nicht unbemerkt geblieben sein. Denn obwohl Daniels MacBook in der Hülle verschlossen unter seiner Jacke direkt neben ihm lag, obwohl niemand neben ihm saß und unsere Kollegen hinter uns saßen und obwohl wir nicht eine Sekunde von unseren Plätzen geweicht sind – ist der Laptop gestohlen worden. Der Mac ist weg – und ist seit dem nicht wieder aufgetaucht.

Der Schmerz um den Verlust ist tief, der Ärger ist groß – und die Dummheit des Diebes beinahe grenzenlos. Denn was will er ohne das mac-spezifische Netzteil mit einem Computer in deutscher Sprache machen? Das Ding ist nutzlos für ihn.

Wer Kondolenzbriefe schreiben will, kann gleich für die Finanzierung eines neuen Macbook mit beitragen, denn es ist DAS Arbeitsmittel schlechthin, mit dem Daniel täglich Stunden zubrachte. Neben wichtigen Dokumenten, die verloren sind (weil das letzte Backup vor 6 Wochen gemacht wurde), hat man meinen Mann um sein liebstes Stück gebracht und Mavuno geschädigt.

Fünf Gänge Menü

1.Vorspeise
Riskieren Sie einen Blick auf das Prachtexemplar und holen Sie sich Appetit. Gehen Sie ganz beiläufig an dem Alu befelgten Subaru Forrester vorbei und träumen Sie dabei, hinter dem Sportlenkrad zu sitzen und eigenhändig die endlosen Weiten Afrikas zu bereisen.

2. Vorspeise
Setzen Sie sich – ganz unverbindlich – hinter getönten Scheiben auf den sportlich ausgestatteten Fahrersitz und drehen Sie genussvoll den Zündschlüssel und lauschen Sie dem 4-zylindrigem Boxer Motor.

1. Hauptgang
Stellen sie die Klimaautomatik auf die gewünschte Raumtemperatur, legen Sie ihre Lieblings CD in den CD-Player ein, lösen Sie die Handbremse – und vergessen Sie nicht, den Sensor der Alarmanlage zu berühren. Sonst hört Ihr Fahrvergnügen nach 400 m auf. Das käme in einem 250 Ps starken Wagen einer Tragödie gleich.

2. Hauptgang
Befahren Sie nun auf schnellstmöglichem Weg die breiteste und unbefahrendste Straße, die Sie finden können, und treten Sie das Gaspedal – bis der Turbo unter der Haube pfeift. – Und Sie vor Vergnügen mit.
Fahren Sie nun alle fünf Gänge aus und spüren Sie das Grippeln unter ihrem Allerwertesten.
Ach nein, wir sind ja in Kenia, da sind die Straßen zu schlecht. Schade.
Na, dann stellen Sie es sich eben vor.
Fahren Sie nun zum Ort des Geschehens zurück, schließen Sie innerhalb einer halben Stunde den Kaufvertrag ab – und versprechen Sie bald mit dem Geld wieder zukommen ohne einen Cent bzw. Schilling bezahlt zu haben.

Dessert
Treten Sie nun ihre erste Fahrt mit ihrem neuen (Auto) und älteren (Ehefrau bzw. Ehemann) Schmuckstück an, genießen Sie jedes Schlagloch, dass Sie NICHT spüren, bis Sie schließlich fast wie von selbst in Ihr Carport rollen.
Gehen Sie danach unverzüglich ins Bett und träumen Sie weiter bis zum Morgen, bis Sie sich dem nächsten Fünf Gänge Menü widmen können – und sehen Sie zu, dass Sie ihren Starlet verkaufen.

Und jetzt noch mal die Kurzfassung:
Am Samstag sind wir innerhalb einer guten Stunde die stolzen Besitzers eines Subaru Forrester geworden – zum Preis eines Toyota Corollas. Und dass alles spielte sich auf einem Schulbasar (!!!) und innerhalb einer guten Stunde ab. Wir wollen eigentlich nur Stühle kaufen …

Wie es dazu kam? Das schreiben wir später.

Das Abenteuer nach dem du dich (nicht) sehnst

Es sollte nur ein kleiner Ausflug in die Nachbarschaft werden. Nichts Spektakuläres. Nur 15 min Fahrweg. Aber in der Regenzeit wird selbst die kürzeste Fahrt abenteuerlich.
Ich hatte – wohl bemerkt – nicht mehr für Regen gebetet, sonder für den bereits vorhandenen Gott kräftig gedankt, aber die „Straßen“ waren stellenweise trotzdem noch zu nass. Wir blieben stecken. Aber richtig.

Und so sah das dann aus:

Das Auto musste also mit Schwung und Mannes bzw. Frauenkraft aus seinem Schlammbett manövriert werden.
Dabei entdeckten wir mehr oder weniger freiwillig, wie gesund Schlammpackungen für die Haut sind – und kreierten ganz neben bei ein neues T-Shirt Design für die kommende Saison. Jetzt überlegen wir gerade nach einem passenden Lable. Vielleicht ist „muddy.“ ganz passend.

Glatteis in Kenia

Es kam über Nacht nach mehrstündigem Regen, sieht schlammbraun aus und verwandelt unsere Straße in eine noch nie da gewesene Schlingerpiste. – Das kenianische „Glatteis“.

Wie kams?
Ich betete gestern Abend für Regen, da die Regenzeit auf sich warten lässt, alles aber furztrocken (bzw. sehr, sehr, sehr trocken) ist. Und dann hat Gott in der Nacht mein Gebet mit 2 stündigem Dauerstarkregen erhört. Allerdings hatte ich nicht die Folgen der Gebetserhörung bedacht. Das, was ehemals unsere „Dirt Road“ war, verwandelte sich über Nacht zu einer Matschloch in dem es kein Halten gab. Deutsche schneebedeckte und ungeräumte Winterstraßen sind vergleichsweise harmlos zu dem, was wir auf unserem Arbeitsweg vorfanden. Während Daniel unseren schlingernden Starlet praktisch nur gegenlenkte und versuchte dem stark schwankendem und im Heck ausbrechendem Bus vor uns Abstand zuhalten und die Strecke irgendwie zu schaffen, hielt ich mich krampfhaft mit weißen Fingerknöcheln an meinem Sitz fest und schrie nur: „Ich steig nicht aus, wenn wir stecken bleiben. Ich nicht. Nein.“

Nun bin ich in einer Zwickmühle. Soll ich weiter für Regen oder nicht? Kann mir jemand helfen?

P.S. Die fehlenden Beweisfotos bitte ich zu entschuldigen, da wir, wie gesagt alle Hände voll zu tun hatten.

Kopf oder Füße waschen?

Das ging echt unter die Haut. Am Sonntag wurde ich – neben ca. 1500 anderen -Zeuge, wie mein Chef über Demut predigte. Kein leichtes Thema, hier wie in Deutschland. Hat er sich auch gedacht. Und warum eine halbe Stunde von der Kanzel aus drum herum reden, anderen – und sich selbst – den Kopf waschen, dass wir nicht demütig genug sind, und dann wieder in die Masse abtauchen und so tun als wäre nichts gewesen.
Simon ist nicht so. Er ist keiner, der anderen den Kopf wäscht und sich die Hände nicht schmutzig macht. Er ist ein Mann der Tat und bat als Abschluss seiner Predigt seine Ehefrau auf die Bühne und wusch ihr vor aller Augen die Füße. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Er, der einer der angesehensten Männer der Gemeinde ist, kniet sich vor seiner Ehefrau nieder, um ihr die Schuhe auszuziehen, ihr die Füße zu waschen, abzutrocknen und dann wieder die Schuhe anzuziehen. In einer Kultur, wo Männer wesentlich mehr geachtet sind als Frauen, schlägt so was ein wie eine Bombe.
Die ganze Gemeinde war perplex, und überall hörte man es schniefen. Und irgendwie bekam ich etwas Mitleid mit den vielen Ehemännern, die etwas stiller als sonst nach Hause gingen…

PS: Falls jemand mit dem symbolischen Akt des Füßewaschens nichts anfangen kann, der findet im Johannesevangelium Kapitel 13 die Erklärung dazu.

Alle machen Urlaub …

… die Nähmaschine, mit der ich Gardinen nähen wollte, unser Auto, mit dem wir Einkaufen und weg fahren wollten, unser Blog, der sich gestern nicht mehr geregt hat, das Internet sowieso, das macht fast immer frei,…
Das ist sehr erholsam, zumindest für Nähmaschine, Auto und Computer. Für uns hingegen ist die Adrenalinausschüttung im Blut überdurchschnittlich erhöht und Erholungseffekt bei maximal minus 10. Kann mir bitte jemand mal erklären, warum unser Auto Woche für Woche uns, wenn auch laut klappernd und mit mäßiger Beleuchtung auf Arbeit bringt, aber an unserem zweiten Urlaubstag, 15 min, nach dem wir beschlossen hatten, ein paar Tage wegzufahren, den Geist aufgibt? Als sensibler Mensch bin ich nahe dran, das persönlich zu nehmen. Da technische Erklärungs- und Lösungsversuche meines Mannes (nach einem Tag Fehlersuche) fehlgeschlagen sind, probiere ich es jetzt mit psychologischen Ansätzen. Es könnten pubertäre Zickereien sein, obwohl man im Alter von 18 Jahren bei Autos eher von Alterschwäche ausgehen kann. Vielleicht ist es auch die Angst vor neuen Wegen?
Liebe Leser, helft mir bitte zu verstehen, was hier gerade vor sich geht, denn ich fange langsam an, pubertär herum zuzicken.