Tag 29: Ostern allein zu Hause

Ganz ehrlich, es gab heute Momente, da wollte ich nicht mehr. Die Kinder freuten sich auf Ostern – und ich auch. Wir wollten es irgendwie festlich machen, es sollte einfach schön werden.
Soulfood ist ein Teil von Feiern, darum backte ich am Vormittag einen Kuchen. Einen richtigen, mit mehreren Arbeitsschritten, so wie es sich für einen Feiertag gehört.
Daniel leitete unseren Zoom-Gottesdienst am Computer und durfte nicht gestört werden. 

Manchmal funktioniert Kuchen backen und Kinderbetreuung, manchmal nicht. Heute war so ein – Funktioniert-gar-nicht-Vormittag. Der Jüngste hatte Hunger (das habe ich zu später erkannt), der Mittlere schlechte Laune under Große versuchte zwischen beiden zu vermitteln und gerät zwischen die Fronten. Na klasse. Ich flitzte zwischen Küche und Kinderzimmer hin und her, mit dem Resultat, dass der Pudding für den Kuchen zu dünnflüssig wurde, dafür der Boden zu dick.
In der Küche Chaos, im Kinderzimmer emotionales Chaos, und überhaupt auch in mir selbst Chaos. Die letzten Wochen haben meine innere Kraft schrumpfen lassen, aber meine Kinder brauchen sie gerade jetzt. Ich versuche zu schlichten, zu trösten, Kinder auf verschiedene Räume zu verteilen und den Pudding für den Kuchen zu retten. 

Ich brauche jetzt irgendwie übernatürliche Kraft – also die Kraft der Auferstehung Jesu. Das, was wir ja eigentlich heute feiern. Danach ist mir in dem Moment überhaupt nicht zu Mute. Ich lasse einen inneren Hilferuf Richtung Himmel los und hoffe, dass die Sonne, die draußen scheint, bald auch in unsere Herzen einzieht.

Zum Mittagessen wird die Stimmung mäßig besser. Das besondere Grill-Fleisch schmeckt nicht allen, aber wir sitzen draußen auf unserer Terrasse. Wir telefonieren mit Oma und Opa, und dann wollen die Kinder endlich Ostereier suchen.
Dank einer lieben Freundin gibt es ein paar mehr Geschenke und auch unsere Nachbarn von gegenüber haben eine kleine Überraschung in den Garten gestellt. Jetzt kommt doch noch Osterstimmung auf. Der Jüngste hat Spaß beim Suchen und Finden und stopft sich den Mund schon zwischendurch voll Schokoladeneiern. 

Die Nachbarn von nebenan rufen über den Zaun Hinweise, weil die beiden Großen ihre Geschenke immer noch nicht gefunden haben – manchmal sieht man aus dem Abstand besser als wenn man ganz nah dran ist. Nun ist die Stimmung gut und wir haben alle Spaß.

Der kleine ist dann doch erschöpft und glücklich auf meinem Arm eingeschlafen. Ich genieße für ein paar Minuten die Ruhe im Garten. – Die ersten und einzigen Minuten für mich allein. Ich blicke – mein schlafendes Kind in den Armen haltend – durch den Garten: er ist grün! Vergissmeinnicht und Narzissen blühen, die Tulpen, die die Fußballspiele überlebt haben, blühen auf – es ist die schönste Jahreszeit in meinem Garten. Und ich bin mitten drin.

Gegen Abend scheint die halbe Nachbarschaft unterwegs zu sein. Wir kommen gar nicht mehr von unserem Gartentor weg, ständig treffen wir Leute mit denen wir reden. Wir verschenken Kuchen, bekommen Feuerholz angeboten, und dann kommen auch noch unsere Freunde vorbei geradelt. Unsere Kinder sind glücklich. Sie dürfen ihre Freunde nur durch den Zaun sehen, aber dafür live und in Farbe.  Einfach mal quatschen und Quatsch machen. Das Abendessen verschiebt sich immer weiter nach hinten, macht nix. Der Hunger kann warten. 

Ich bin dankbar, dass der Tag harmonischer endet als er begann. 

Tipps von den Nachbarn sind bei der Ostereiersuche willkommen.
Ausgerechnet heute bekam ich dieses “Osterei” geschenkt.

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