400 Propheten sagen dem Obersten des Volkes, was er hören will: „Du wirst den Kampf gewinnen.“ Nicht einmal der Politiker nimmt diese Schmeichelei ernst: „Gibt es denn keinen richtigen Propheten mehr?“
So wurde in der gestrigen Predigt über 1. Kö. 22 von Oscar Muriu die Lage in Kenia eingeschätzt: Die Kirchen, Gemeinden und Pastoren haben im falschen Chor mitgesungen: im Chor der Popularität. Sie haben in den letzten Jahren den Mund gehalten. Kein Wort über die krassen Unterschiede zwischen arm und reich. Keine Erwähnung des Stammes-Denkens (tribalism), das so viel kaputt macht. Kein Aufstehen angesichts schlechter Politik.
Dabei ist es Aufgabe der Kirche, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Eben nicht im Strom der political corretness mitzuschwimmen. Es ist die Verantwortung der geistlichen Leiter, die Wahrheit hervor-zu-sagen.
Propheten beißen. Wie viele geistliche Leiter, Pastoren und Gemeinden sind bereits zu zahnlosen Tigern geworden?
Öffentlich sprach Oscar Muriu von persönlichen Fehlern. Ein Tabu-Bruch in der Schamkultur! Wenn schon ein persönliches Beispiel, dann eine Erfolgsstory. Nicht so hier: die Pastoren haben die Gemeinde um Verzeihung gebeten: weil sie den Mund gehalten haben, weil sie popularistisch geredet haben, weil sie im falschen Chor mitgesungen haben.
