Von innen nach außen

Vor zwei Wochen ist die Praktikumszeit von Sven, unseren ersten Praktikanten, abgelaufen. Wir lassen ihn hier auf unserem Blog zu Wort kommen. Er beschreibt in den folgenden Zeilen, wie dieses Jahr für ihn war und was ihn geprägt hat:

„Ich möchte euch gerne bei eurer Arbeit in der Gemeinde unterstützen“. So oder so ähnlich begegnete ich vor einem Jahr den Pastoren meiner Gemeinde und wusste noch nicht wirklich, auf was ich mich da einlasse. Mir war bis dahin nur vollkommen klar, dass ich das Alte nicht mehr wollte. 40 Stunden Arbeit und am Sonntag in die Gemeinde gehen. Das war mir zu wenig. Ich wollte meinen Glauben irgendwie im Alltag und in meiner Arbeit als Sozialpädagoge „leben“. Zu Beginn meines Praktikums durfte ich erst einmal feststellen, dass das neue Konzept ganz anders ist als ich bisher kannte. Denn es ging nicht nur um einen schönen Gottesdienst oder eine gute Predigt sondern um viel mehr. Ich habe mich ein wenig ertappt gefühlt und erkannte erst allmählich, worum es eigentlich geht, was Gott eigentlich vorhat. Mir wurde klar, dass ich einen Auftrag in der Welt habe, den ich aber nur erfüllen kann, wenn ich meinen Blick nach außen richte, wenn ich mein Umfeld genauer wahrnehme und gezielt auf Menschen zugehe. Mit einem Perspektivwechsel einhergehend, änderte sich im Laufe der Zeit auch meine Beziehung zu Gott. Mit Vollmacht und Autorität zu beten, war für mich nicht neu, aber ich habe es bisher noch nicht praktiziert. Weiterhin lernte ich auch eine Stille vor Gott haben zu können, ohne dass ich unruhig werde und ungeduldig frage: „Was kommt jetzt?“.
Alles in allem hat mir Gott im letzten Jahr einige persönliche Dinge klar gemacht, er hat mich bestärkt, herausgefordert und eine Vision geschenkt. Ich bin sehr dankbar, von einem neuen Lebenssinn ergriffen worden zu sein und diesen mit einem Blick nach außen, über den Tellerrand schauend, leben zu können.

Sven Keßler

„Ihr glaubt echt an die Bibel?“

Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir vor einigen Tagen diesen Artikel bei Zeit online sahen. Da geht ein Berliner Schriftstellerehepaar nach Südafrika, findet dort Gott bzw. Gott findet sie, und jetzt schreiben sie munter über ihren Glauben und Erlebnisse in der Zeit. Dass der Beitrag bis dato über 700 Kommentare verwundert nicht. Schließlich wagen sich die Autoren auf ein Feld vor, dass in Deutschland alles andere als Gesellschaftstauglich ist.

Wir bewundern sie angesichts ihres Mutes, so persönlich und offen von ihrem Glauben zu schreiben. Dabei verfallen wie weder in allgemeine Phrasen noch in übereifriges Missionieren. Ihr Glaube spricht für sich selbst! Absolut lesenswert!

Schritt für Schritt

Seit einem Jahr sind wir nur dabei, Mavuno Berlin aufzubauen. Was ist seit dem entstanden? Unsere Freunde fragen uns oft: Wie läuft es? Geht es vorwärts?

Das fragen wir uns auch, manchmal selbstkritisch, aber auch aus der Beobachterperspektive. Hier in Auszügen unser Fazit:

Teile einer Gemeindearbeit zu verändern, ist harte Arbeit. Eine ganze Gemeindekultur mit neuen Werten und Strukturen zu verändern, ist ein Kraftakt – der sich aber lohnt. Es ist ein Weg mit vielen unvorhergesehenen Schlaglöchern, Straßensperrungen, Hindernissen und oft geht es auch off Road – wenn neue Wege ausprobiert werden.

die Menschen, in die wir investiert haben, sind mit Leidenschaft dabei. Leute, die eher wenig involviert waren, sind engagierte Mitarbeiter geworden. Andere, die aus der Gemeinde weggegangen sind, sind zurückgekommen, sind von der Mavuno-Vision begeistert und arbeiten mit daran, dass sie Wirklichkeit wird. Simone hat sogar ihren sicheren Job an den Nagel gehängt, damit sie vollzeitlich mitarbeiten kann – was sie seit 1.7. auch tut.

Neues etabliert sich. Wir haben besonders viel in den Gottesdienst investiert. Mit zitternden Knien hat unser neues Lobpreisteam letztes Jahr die ersten Schritte gewagt. Annegret hatte vorher noch nie Lobpreis geleitet – und Gott gebraucht sie nun jeden Sonntag auf wunderbare Weise. Wir haben neue Dienstbereiche mit den entsprechenden Bereichsleitern ins Leben gerufen. Diese Strukturen etablieren sich und unterstützen unsere Vision.

Menschen kommen – und bleiben. Uns überrascht es selbst, dass zum Gottesdienst Nachbarn und Passanten „vorbeischauen“, manche von ihnen kommen inzwischen regelmäßig. Familienmitglieder und Gäste unserer Gemeindemitglieder geben uns positives Feedback. Einer meinte: „Ihr gestaltet eure Gottesdienste so, als würdet ihr noch mehr Leute erwarten. Das ist kein Gottesdienst für eine kleine Gemeinde, ihr rechnet mit Wachstum.“ Da hat er wohl recht.

Tut Gott etwas in Mavuno Berlin? Und ob!

Review: Fearless Summit @ Mavuno

Note: Dies ist ein Gast-Beitrag von Veit Claesberg, Jugend-Pastoralreferent bei Forum Wiedenest. Hier geht’s zu seinem Blog.
„Vergiss alles was du über eine afrikanische Gemeinde denkst.“
Das ist ein Spruch den ich mehrmals gegenüber Freunden gebracht habe, denen ich von meinem Besuch des Fearless-Summit 2012 (www.fearlesssummit.org) in Nairobi erzählt habe (04-06.07.12).
Der Summit wird von der kenianischen Gemeinde Mavuno Church veranstaltet.
Die Dynamik dieser Kirche ist beeindruckend. Die Mavuno Church arbeitet auf einem Level, den ich mir in Deutschland verstärkt wünschen würde. Das betrifft einmal die Einstellung und die Leidenschaft der Mitarbeiter. Und dann auch die Strategie der Gemeinde, die ganz klar an ihrer Vision ausgerichtet ist: „Tuning ordinary people into fearless influencers of society“. Diese Vision kennt nach einem kurzen Besuch jeder Gast. Und diese Vision wird gelebt und kontrolliert. Zur Umsetzung dient der sogenannte Mavuno-Marathon (siehe www.mavunochurch.org).
Abgesehen davon arbeitet die Kirche organisatorisch auf einem sehr hohen Level, der mich besonders als Deutscher beeindruckt. Dies hängt nach m.E. mit dem klaren Leitungsverständnis der Gemeinde zusammen. Sehr vieles von dem, was ich über Leitung weiß, gelesen und gelernt habe, scheint in dieser Kirche angewandt zu werden. Leitern ist die Mavuno Church positiv gegenüber eingestellt. Sie will Leiterinnen und Leiter und ermutigt sie zu leiten. Und sie bildet in einem internen Programm Leiterinnen und Leiter über ein oder mehrere Jahre gezielt aus. Ihre Mitglieder nehmen eigenverantwortlich Aufgaben in Nairobi war. Unter anderem ist das Mikofinanzprojekt Maono entstanden (http://maonoinitiative.com/), was Menschen in den nairobischen Slums Hilfe zur Selbsthilfe anbietet.
Darüberhinaus hat die Kirche das ambitionierte Ziel bis 2030 in jeder afrikanischen Hauptstadt eine Gemeinde zu gründen und dazu noch in jeder wichtigen Stadt der Welt. Wenn das keine Vision ist.
Auch in Deutschland ist sie schon am Start und hat zwei Deutsche als Gemeindegründer nach Berlin ausgesandt. Nancy und Daniel Flechsig gründen mit der EFG Lichterfelde die Mavuno Church Berlin (www.flechsigs.de).
Für mich ist die Frage in wie weit man die Dynamik nach Deutschland holen kann und ob sich eine deutsch-kenianische Partnerschaft sinnvoll aufbauen lässt. Die Entfernung ist weit. Ein Flug ist teuer. Die Kulturen sind verschieden. Kenia ist eine junge Generation, wo es wirtschaftlich dynamisch zugeht. Der Anteil evangelikaler Christen liegt bei fast 20%. Deutschland stagniert und geht bevölkerungsmäßig zurück. Auch der christliche Glaube ist auf dem Rückzug. In einer deutschen Großstadt gibt es sicher mehr Parallelen als in einer deutschen Kleinstadt. Aber vielleicht brauchen wir wieder den Mut Gott etwas in unserem Land zuzutrauen. Und da können uns die Afrikaner inspirieren.
Unabhängig davon sind die Leitungsprinzipien der Kirche beachtenswert und dann übertragbar. Vorrausgesetzt ist allerdings, dass sich eine Gruppe/Gemeinde in Deutschland diese Art von Leitung wünscht. Das kenianische Model ist sehr stark personenorientiert. Das ist uns in Deutschland in den Freikirchen eher fremd. Aber hier habe ich den Eindruck, dass es immer mehr junge Christen gibt, denen ein klassisch-brüdergemeindliches Modell oder bis in die Spitzen ausgelebte kongretionalistisches Modell nicht mehr behagt.
Ich bin gespannt wie sich diese Kirche in 10 Jahren entwickelt hat. Die ersten fünf Jahren sind jedenfalls beeindruckend. Und ich bin gespannt wie sich Mavuno Berlin entwickelt. Ich wünsche der Kirche auf jeden Fall Gottes Segen und Erfolg bei der Visionsumsetzung. Um Gottes Ehre willen.

Fearless

Vor vier Jahren haben wir es aus der Traufe gehoben, jetzt ist es eine internationale Konferenz mit 800 Teilnehmern: das Mavuno Fearless Summit.
Dieses Jahr konnte ich endlich Verstärkung aus Deutschland mitbringen: Roddy aus unserer Gemeinde in Berlin sowie Veit, Jugendreferent aus Wiedenest. Und, ganz wichtig: Stephen und Susan Beck. Stephen war einer der Hauptreferenten.
Hochinteressantes Thema (The Church can change the City), bunte Referentenmischung aus Afrika, Asien, Nordamerika, Europa, feurige Musik, Teilnehmer ebenfalls von allen Kontinenten, daher super Inspiration von allerlei Ländern und Kulturen.
(www.fearlesssummit.org)
Hier sind ein paar Eindrücke & Grüße:

We proudly present …

Vergangenen Sonntag war in unserer Gemeinde Wahltag. Anders als im politischen Leben gab es vorher jedoch keinen Wahlkampf. Einer unserer Ältesten hatte hatte schon lange Zeit zuvor angekündigt, nach Ende seines Mandats aus Altersgründen nicht wieder zur Verfügung zu stehen. Darum wurde nachgewählt. Wir freuen uns sehr, dass neben Oliver, der sein Mandat weiterführt sind auch Rainer und Sven dabei sind.
Wir sehen in diesem Team ein großes Potential und freuen uns auf das, was Gott mit ihnen und uns gemeinsam in Berlin tun wird.

Vergangenen Sonntag war in unserer Gemeinde Wahltag. Anders als im politischen Leben gab es vorher jedoch keinen Wahlkampf. Einer unserer Ältesten hatte hatte schon lange Zeit zuvor angekündigt, sein Mandat aus Altersgründen vor dem Sommer nieder zu legen, darum wurde nachgewählt. Wir freuen uns sehr, dass neben Oliver, der sein Mandat weiterführt sind nun auch Rainer und Sven mit dabei. Wir sehen in diesem Team ein großes Potential und freuen uns, was Gott mit ihnen und uns gemeinsam in Berlin tun wird.

Doch bevor es so richtig los geht, sind wir erst mal weg. Das Auto wird gerade gepackt, in wenigen Stunden gehts in den Urlaub. Und tschüß…

Wenn eine Gemeinde fastet und betet…

… dann kann sie was erleben. Vergangene Woche haben wir als Gemeinde vier Tage lang uns Zeit zum Beten und Fasten genommen. Am Dienstag-, Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagmorgen trafen wir uns schon 7.00 Uhr morgens (!) in unserer Kapelle zum Gebet, für Berliner eine absolute Unzeit. Neben dem reduzierten Schlaf gab es auch noch weniger oder gar nichts zu essen, zumindest wer sich für das Fasten entschied. Diese Tage waren also besonders herausfordernd.

Für uns persönlich war es noch doppelt anstrengend, denn Daniel leitete nicht nur die Morgenandachten in der Kapelle, sondern hatte ausnahmsweise an jeden dieser Tage noch wichtige und lange Abendmeetings. Außerdem ist ein großer Teil des amerikanischen Teams diese Woche angekommen – die Alltagsroutine, war also endgültig ausgesetzt. Wir rechneten damit, am Wochenende so richtig erschöpft zu sein.

Gott überraschte uns jedoch – nicht nur einmal.
1. Der erwartete Erschöpfungszustand trat nicht am Samstag oder Sonntagmorgen ein.
2. Wir haben in der Woche mehr fertig bekommen als erhofft, die Arbeit auf dem Schreibtisch reduzierte sich auf wundersame Weise.
3. Und das ist der absolute Höhepunkt: Wir hatten die höchste Gottesdienstbesucherzahl, seit wir sie zählen und einen Gottesdienst, der rund um gelungen war. Ein Lobpreis, der ins Herz ging, eine Moderation, die humorvoll und gleichzeitig tiefgründig war und eine Predigt, die noch lange in uns nachklingt.

Wir haben ein wenig verzichtet und sind reich beschenkt worden. Danke, Gott.

Nicht vergleichen

Bevor wir letzten Monat nach Kalifornien reisten, fragte uns jemand, ob es überhaupt sinnvoll sei, sich so eine große Gemeinde (ca. 7000 Gottesdienstbesucher in 3 Lokalitäten, 150 vollzeitliche Mitarbeiter) anzuschauen, da wir doch vieeeel kleiner sind und bei uns alles anders ist.

Wir sagen: auf jeden Fall! Wir wollten wissen, wie diese Gemeinde in den letzten 25 Jahren von ca. 200 Leuten auf diese Größe gewachsen ist, welche Schritte die Leiter unternommen haben, welche Schwerpunkte sie gelegt haben und welche Tipps sie für uns haben. In einem 2,5 Gespräch mit dem Seniorpastor haben wir mehr Einsichten über uns als Leiter gewonnen, als wir in 10 Büchern hätten lesen können. Doch eine der wichtigsten Wahrheiten haben wir fast nebenbei mitbekommen in einer 10 minütigen Kurzpredigt auf einer Konferenz in Kalifornien:

    Vergleiche deine Anfänge nicht mit dem Fortschritt von anderen.

Das heißt, deine ersten Versuche, die du in irgendeinem Bereich deines Lebens unternimmst, kannst du nicht vergleichen mit jemand, der das schon jahrelang macht.

  • Ein Schulanfänger liest die Fibel – und nicht Goethes Faust.
  • Als Ferdinand laufen lernte waren wir und er über jeden Schritt stolz, den er ohne zu fallen gelaufen ist. Wir haben ihn nicht gleich auf eine Wandertour mit genommen (obwohl das seinem Vater Spaß gemacht hätte:-) )
  • Wer das erste Mal Leitungsverantwortung in einem Bereich der Gemeinde übernimmt wird das anders anpacken wie jemand, der das schon über viele Jahre macht.
  • Uns macht diese Einsicht Mut. Wir dürfen stolpern, hinfallen, aufstehen, weiter ausprobieren. – Wir sind ja erst am Anfang von dem, was Gott mit uns in Berlin vor hat.