In Berlin und Umgebung eine Wohnung zu suchen ist schon fast etwas abenteuerlich. Nicht, dass es keine Wohnungen gibt. Aber der Zustand selbiger ist manchmal kenianischer (sprich abgewohnter) als gedacht und zu höheren Mieten als erhofft.
Nach tagelangem Suchen und Beratschlagen mit Urberliner stießen wir auf eine Wohnung die, wie sich nach einem Anruf bei der Marklerin, noch nicht einmal geräumt war. Die gute Frau hatte jedoch Geschäftssinn und ließ uns eine halbe Stunde nach dem der Mieter ausgezogen war, die Wohnung besichtigen. Das war die erste Wohnung, die uns spontan zusagte, sogar eine Küche drin hatte und wir bezugsfertig, d.h. mit sauberen Wänden vorfanden. Wir äußerten unser Gefallen an dieser Wohnung und kamen ins Gespräch über dies und das und Kenia und Kirche. Sie erklärte das übliche Prozedere mit Nachweis von Mietschuldenfreiheit und Einkommensnachweis.
Wo in aller Welt bekommen wir nach 3,5 Kenia einen Nachweis für Mietschuldenfreiheit her? Und ein kenianischer Einkommensnachweis von einem Arbeitgeber, der jetzt nicht mehr unser Arbeitgeber ist, wirkt auch nicht gerade vertrauenserweckend.
Eine Nacht darüber geschlafen, sagten wir der Marklerin zu, dass wir diese Wohnung gern mieten würden, jedoch die geforderten Unterlagen (noch?) nicht vorlegen könnten.
Noch am selben Tag abends 18.00 Uhr trafen wir uns in der Wohnung mit Maklerin und Vermieter. Die nächsten Interessenten standen schon in der Tür, vielen weiteren wurden abgesagt. Der Vermieter – ein sehr akkurater Mann – sagte zu Daniel: „Ich habe Hochachtung vor Ihrem Berufsstand, obwohl ich von der Konkurrenz (katholisch) bin. Darum bekommen Sie auch die Wohnung. Ich vertraue Ihnen, darum brauche ich die üblichen Nachweise nicht.“
Als wir unseren Berlinern diese Geschichte erzählten, schüttelten sie nur mit dem Kopf. So etwas haben sie noch nie erlebt. Schon gar nicht im atheistischen Berlin.
PS: Seit 1.4. sind wir nun glückliche Mieter dieser Wohnung.



Da sag noch mal jemand Deutschland sei nicht kinderfreundlich! Statt zwei Stunden endlos anzustehen wie der babylose Teil der Bevölkerung, waren wir binnen zwei Minuten auf der Kuppel des Reichstages in Berlin – Ferdinand sei dank. Die freundlichen Mitarbeiter haben uns vor dem Eingang erspäht und gefragt: „Sind sie die Gruppe mit dem Kinderwagen? Dann kommen sie docheinfach mit zum Nebeneingang…“ Ja, da waren wir kurzerhand die Gruppe mit dem Kinderwagen…

