Zu Gast in Nairobi und auf dem Flechsig-Blog

by Gesine Vogel

Als Belohnung für ein geschafftes Examen gönne ich es mir für 10 Tage meine alten Nachbarn, Hauskreisler und Freunde Daniel und Nancy in Nairobi zu besuchen. – Ich fühle mich ganz frei und schreibe ungeordnet eine Sammlung von Eindrücken auf. Natürlich mit freundlicher Genehmigung;-)

  • Temperaturen – das, was man hier Winter nennt, nennt man bei uns Spätsommer
  • Tiere auf und an den Straßen – Kühe, Schafe, Hühner, vereinzelt Hunde, etwas abgelegener dann Affen, Riesenvögel…
  • Vegetation – das, was bei mir in Miniaturausgabe auf dem Fensterbrett steht, findet man hier meterhoch. Und das ganz ohne Pflege… Besondere Freundschaft habe ich mit einem hängenden Eimer Kakteen geschlossen, an dem ich mich regelmäßig stoße, wenn ich zu schwungvoll unter der Wäschestange durchkrieche, die auf dem Hinterhof vor meiner Zimmertür steht.

    Kaktus in Kopfhöhe

  • Luft – es liegt stets neben viel Staub ein besonderer „Duft“ in der Luft, es riecht mal okay und mal weniger gut nach Verbranntem. Spürbar wird die andere Luft in den trockenen Augen.
  • Straßenverkehr – das, was Flechsigs immer schrieben, habe ich nun auch täglich erlebt. Der ist nichts für leichte Nerven und nichts für Unausgeschlafene. Ich frage mich, wie die Polizei betrunkene Autofahrer erkennen will, denn hier fahren fast alle Slalom, mal direkt auf der Nachbarfahrbahn, mal auf dem „Fußweg“… Und mittendrin noch die Matatus (Taxis). Wer hier im Straßenverkehr vorwärts kommen möchte, sollte seinen Führerschein im Vogtland gemacht haben, sich nicht täuschen und nicht die Autos von rechts rein lassen. – Und sein Auto nicht lieben;-)
    Alltag auf Nairobis Straßen
  • Spazieren gehen – das kennt man hier von Weißen nicht und ist in Nairobi alles andere als leicht. Die meisten erledigen (wenn vorhanden) alles mit dem Auto. Einfach mal so spazieren gehen, ist hier nicht. Gestern haben wir aber auf Empfehlung einer Missionarin eine Wanderung gewagt. Kreuz und quer durch die Prärie. Und wir drei Helden haben es geschafft, einen unmöglichen Umweg zu laufen. Die Folge waren statt zwei Stunden vier Stunden Wanderung, Hunger, Durst und Staub – überall. Naja, und viele wilde Affen, die mit uns Versteck spielten. Aber die Ruhe und Menschenleere waren eine gute Abwechslung.
  • Wohnbedingungen – die sind schon um einiges anders. Ich habe das Privileg, in meinem Gästezimmer ein Bad zu haben. Damit ist eine Toilette gemeint, ein Hahn und Eimer (=Waschbecken) und ein Duschkopf mit sanften aber heißen Strahlen. Na, und da man nicht weiß, wann wieder Wasser kommt, muss hier tüchtig gespart werden, was man kann. D.h. beispielsweise, dass nicht nach jedem Toilettengang gespült werden kann;-)
    Gästebad
  • Arbeitsbedingungen – in Deutschland gibt es das Wort „Großraumbüro“ . Das kann man für Flechsigs Arbeitsplatz hier auch verwenden. D.h. im Konkreten 10 Mitarbeiter teilen sich 4 Computer und 8 Plätze mit Gartenplastestühlen auf einer Fläche von ca. 15qm. Dabei herrscht ein Kommen und Gehen. Das Internet funktioniert eher morgens, Arbeitsmaterialien wie Papier, Stifte, Schreibtischlampen und Drucker gibt es nicht. Bei einer Visite der deutschen Arbeitssicherheit würde die Baracke vermutlich geschlossen werden. Dass sich da einer konzentrieren kann?! ?!
    Büroalltag
  • Gemeinde – ich habe zwei tolle Gottesdienste mitbekommen. Richtig herzlich afrikanisch: lebendig, fröhlich bis weinend und belebt. Die Themen der beiden Gottesdienste waren einmal Sex und einmal Macht. Beide Male wurden diese spannenden Themen lebensnah, bejahend und ansprechend angepackt. Die zwei Stunden Gottesdienst vorbei gingen vorbei wie nichts.
  • Kultur – dazu ein Beispiel: am Montag lernte ich das kenianische Postsystem kennen – eine Katastrophe, denn ein Postgeheimnis gibt es hier nicht. Vor allen Augen musste das Päckchen geöffnet und dann verzollt werden. Um das dann aber noch mitzunehmen, waren 7 Stempel und extra Wege notwendig. Einmal mehr bin ich dankbar, den Koffer für Flechsigs so ohne Probleme aus dem Flughafen bekommen zu haben. Nicht auszudenken, was den Beamten alles eingefallen wäre.
  • Und während ich diese Zeilen schreibe, ist zweimal Stromausfall, das Café wird dunkel und alle Geräte verstummen…
  • Fazit: Wir hatten gemeinsam eine tolle und vielseitige Woche. Aber ganz ehrlich, die derzeitigen Lebensverhältnisse sind schon sehr grenzwertig und ich wünsche ihnen, dass der Spender- und Freundeskreis noch ein ganzes Stück wächst, damit sie nicht nur überleben sondern auch leben können. Hey Leute, damit es Flechsigs gut geht, müssen wir echt noch was tun!